Ard Christian Bosenius (Hg.)

Egon Eiermann: Versandhaus Neckermann 1958-60

Architektur der Arbeit im Zeichen einer Demokratisierung des Konsums
Cover: Egon Eiermann: Versandhaus Neckermann 1958-60
Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020
ISBN 9783731909460
Gebunden, 304 Seiten, 59,00 EUR

Klappentext

Durch die Insolvenz des traditionsreichen Versandunternehmens Neckermann rückt der Großbau der Versandhauszentrale seit 2012 wieder in den Blick des öffentlichen Interesses. In Fachkreisen ist das Gebäude hinter den weit bekannteren Werken des Architekten Egon Eiermann weitgehend verblasst, obwohl es bei seiner Fertigstellung 1960 als einer der ersten bundesrepublikanischen Nachkriegsbauten eine große internationale Aufmerksamkeit erregt hatte.Mit der vorliegenden Gebäudemonografie sind die ursprünglichen architektonischen Qualitäten des inzwischen deutlich veränderten Gebäudes in einer detaillierten Tiefenschärfe wieder herausgearbeitet. Als Kulturdenkmal erfährt der Bau damit eine differenziertere Bewertung als 1986, dem Jahr seiner Unterschutzstellung mit der ersten Auflage der Frankfurter Denkmalliste.In dem Gebäude manifestiert sich geradezu räumlich der Arbeitsbegriff der jungen Bundesrepublik. In Teamworkarbeiten Verwaltungsangestellte wie Versandarbeiter buchstäblich unter einem Dach. Die hochkomplexen Informations- und Logistikprozesse werden dabei erstmals von einer transistorbasierten Großrechnenanlage bewältigt, die alle Arbeitsbereiche miteinander vernetzt: Der Bau markiert damit den Beginn der Computerisierung im industriellen Prozess.Das Gebäude steht zeichenhaft für das Schlagwort der Erhard'schen Wirtschaftswunderjahre, das Wohlstand für alle versprach. Mit dem Ziel, alle mit allem zu versorgen, sollte die gebaute Maschine das Versprechen im Sinne einer Demokratisierung des Konsums einlösen. Im Zentrum der nüchternen Klarheit und disziplinierten Strenge dieses gewaltigen Bauwerks steht der Mensch mit seinen elementarsten Bedürfnissen.Das Frankfurter Versandhaus greift in seiner Bedeutung als Zeitdokument seiner Epoche, als innovativer ¬Impulsgeber in der Entwicklung von Architektur und Baukunst sowie als wegweisendes Werk im künstlerischen Werdegang des Architekten über den bisher bekannten Rahmen hina

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2020

Rezensent Matthias Alexander kann verstehen, dass der Architekt Ard Christian Bosenius Egon Eiermann und sein Frankfurter Neckermann-Haus in einem Atemzug mit dem Centre Pompidou nennt. Die absolute Modernität des Baus wird für Alexander bei der Lektüre und bei der Betrachtung des reichen Bildmaterials im Band offenbar. Die Monografie findet er so umfassend wie bis in die kleinsten technischen Details genau und erschöpfend. Dass das Buch offenbar kein Lektorat gesehen hat, kann der Rezensent da verschmerzen.
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