Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein. Karin Smirnoff erzählt die Geschichte eines Wunderkinds, dem es gelingt sich mit fantastischer Stärke und Galgenhumor aus einer Welt ohne Liebe zu befreien. Dass sie auf ihre Mutter nicht zählen kann, kapiert Agnes sofort. Milch kriegt sie nur, wenn sie schreit, bis die Nachbarn klopfen. Wenn sie überleben will, muss sie der Bosheit ihrer Mutter immer einen Schritt voraus sein, die sich dafür rächt, dass Agnes ihre Karriere als Pianistin zerstört hat und die Frechheit besitzt, selbst ein Wunderkind zu sein. Als Agnes den Talentförderer Frank kennenlernt und mit seiner Gruppe auf Tournee geht, wendet sich nur scheinbar alles zum Besseren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2023
86 kurze Kapitel aus der Perspektive von Kindern: So hat die Schwedin Karin Smirnoff ihren Roman aufgebaut. Er spielt in den 1980er Jahren und handelt von Agnes, Kristian und Miika, die musikalisch hochbegabt sind, aber in schwierigen Verhältnissen leben. Dass ihr Sporttrainer sie sexuell missbraucht, ist der erste Stolperstein dieses Romans für den Rezensenten Stephan Opitz, weil diese Erwachsenenfigur in all ihrer Brutalität für Smirnoff nur Vehikel sei, um über abgründige soziale Verhältnisse zu schreiben. Und der Versuch, die Sprache von Kindern auf Augenhöhe zu imitieren, ist nur durch die sorgfältige und behutsame Übersetzung von Ursel Allenstein gelungen, findet der Rezensent. Gefallen hat ihm aber, wie Freundschaft und Loyalität in diesem Buch verhandelt und die Neugierde von Kindern in einem "fast magischen Realismus" geschildert werden. Das Sahnehäubchen ist für Opitz der Fokus auf die Musik, der zeige, dass "Erinnerung ein Lied" ist, das man hören kann.
Agnes ist ein musikalisches Wunderkind, merkt Rezensentin Katharina Granzin bei der Lektüre schnell, aber eines, dem sich das Böse in den Weg stellt. Die fast grausam auf das Talent ihrer Tochter neidische Mutter verbietet ihr das Klavierspielen, setzt sie der Vernachlässigung aus - dass Karin Smirnoff dies beschreiben kann, ohne auf den reißerischen Schockeffekt aus zu sein, gefällt Granzin gut. Trotzdem kann Agnes eine Art optimistische Resilienz aufbauen, die die Autorin mit klarer Präzision schildert, wie die Kritikerin lobt. Darauf, dass Smirnoff als Nachfolgerin Stieg Larssons an dessen Thriller-Reihe "Millenium" weiterschreibt, ist sie spätestens nach dieser auch psychologisch komplexen Lektüre gespannt.
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