"Kinderwhore" ist der Kleidungsstil der Grunge-Musikerin Courtney Love, und Charlottes Mutter liebt Courtney Love, weshalb sie sich ebenfalls so anzieht. Sie lässt Charlotte oft allein, und wenn sie mal da ist, schläft sie die meiste Zeit, betäubt von starken Medikamenten. Wenn sie nicht schläft, schenkt sie ihrer Tochter neue Väter. Als Charlotte in der Pubertät ist, bekommt sie einen Vater, der die Nächte lieber bei ihr als bei ihrer Mutter verbringt, bis auch er wieder verschwindet. Was geschehen ist, kann sie nur schwer begreifen. Sie beginnt zu rebellieren, experimentiert mit Drogen und Sex, schafft es, ihre Gefühle auszuschalten, Körper und Geist zu trennen und unterschiedliche sexuelle Rollen zu spielen. Sie glaubt, dadurch die Kontrolle über sich und andere zu haben, aber das erweist sich als Trugschluss.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.09.2019
Rezensentin Sonja Hartl scheint tief beeindruckt von der Geschichte, die die norwegische Autorin Maria Kjos Fonn hier erzählt. "Kinderwhore" bezeichnet zunächst einmal ein Image, einen Kleidungsstil, den die Sängerin Courtney Love prägte: Kurzes Kleidchen, Schleifen im Haar, Riemchensandalen, alles sehr kindlich, aber das verschmierte Makeup dazu erzählt von Sex und Gewalt. Zentrale Figur in dem Buch ist das Mädchen Charlotte, Tochter einer drogenabhängigen Prostituierten, die fast immer alleingelassen wird und schließlich - unabwendbar - von einem Freier ihrer Mutter vergewaltigt wird, erzählt die Rezensentin. Im Versuch, so etwas wie Autonomie zu gewinnen, stylt sie sich bald nach dem Vorbild der Mutter selbst als "Kinderwhore" und prostituiert sich. Hartl hebt besonders die "radikal subjektive", zugleich poetische Sprache hervor, in der Charlotte erzählt. Ein Happy End darf man von diesem Buch nicht erwarten.
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