Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2001
Der offene Brief ist ein schwieriges Genre, stellt der Rezensent Hanno Helbling fest, und die nun veröffentlichen Beiträge zu diesem Genre, die Karl Barths von 1909 bis 1935 und 1935 bis 1942 an diverse Adressaten und - wie es sich eben gehört - zugleich an die Öffentlichkeit schickte, machen da keine Ausnahme. Ziemlich unangenehm ist Helbling nämlich der Ton der Selbstgewissheit aufgefallen, der die Briefe durchzieht. Eher erstaunt ist er, dass kaum einer der Opponenten in den in die Öffentlichkeit getragenen Auseinandersetzungen fähig (oder gewillt) scheint, sich auf Barths Argumente einzulassen. Am deutlichsten wird das nach 1933, als sich Barth zum Unverständnis vieler seiner Kollegen nicht in der Lage zeigt, "die Heilsnotwendigkeit des Nationalsozialismus" einzusehen. Nicht zuletzt wurde seine kritische Position auch als Verstoß gegen die von den Schweizern sich selbst auferlegte Neutralität begriffen. Die beiden besprochenen Bände der Gesamtausgabe lobt der Rezensent als "sorgfältig eingerichtet".
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