Katerina Poladjan

Vielleicht Marseille

Roman
Cover: Vielleicht Marseille
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783871348105
Gebunden, 176 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Luc Gaspard, Kommissar in Marseille, soll eine attraktive Stelle bei Europol antreten, ein Karrieresprung; seine Frau Miyu plant schon den Umzug mit den beiden Kindern nach Den Haag. Aber Luc hat tiefe Zweifel an seiner Ehe, seinem Leben überhaupt. Bei einer Dienstreise nach Salzburg lernt er Ann kennen, die vor acht Monaten ihren Mann verloren hat. Jetzt will sie aus der Trauer ausbrechen, sucht das Unbekannte, Neue. Voneinander angezogen, brechen Luc und Ann auf, beide sehen plötzlich neue Möglichkeiten. Doch nach einer gemeinsam verbrachten Nacht folgt Ann ihren Impulsen bedingungslos und fährt alleine weiter - in Lucs Wagen. Während dieser sich widerwillig nach Hause zu seiner beunruhigten Frau durchschlägt, hat auch Anns erwachsener Sohn, der sich trotz vieler Spannungen um seine Mutter sorgt, die Adresse der Gaspards herausgefunden. In Marseille kreuzen sich die Wege - und die Fragen holen sie ein, denen alle vier lange ausgewichen sind. Katerina Poladjan erzählt wunderbar zart und zugleich kraftvoll von Menschen, denen ihr Leben zu entgleiten droht. In erst zufälligen, bald schicksalhaften Begegnungen müssen sie erkennen, wofür es sich zu kämpfen lohnt - auch gegen den größten Gegner, gegen sich selbst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2016

Katerina Poladjans Roman "Vielleicht Marseille" erscheint Wolfgang Schneider ein wenig wie die Mischung aus einem finnischen und einem französischen Film. Denn die in Russland geborene Autorin und Schauspielerin weiß in wunderbar leichten und komischen, filmisch anmutenden und genau beobachteten Szenen von Liebesunglück, Einsamkeit, Verzweiflung, Vergänglichkeit und Tod zu erzählen, schwärmt der Kritiker. Auch wenn Schneider mit dem Schluss dieser Komödie nicht ganz zufrieden ist, hat er diesen ebenso skurrilen wie melancholischen Roman mit viel Vergnügen gelesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2015

Rezensentin Insa Wilke hat allen Respekt für ein so mutiges Erzählen wie das der Autorin Katerina Poladjan. Dass Poladjan ein erhebliches Risiko eingeht, indem sie Erzähltechniken der Nouvelle Vague, wie Perspektivwechsel und die Brechung von Raum- und Zeitkontinuitäten, aufs Literarische anzuwenden versucht, weiß Wilke. Entsprechend großzügig geht sie mit den sich daraus ergebenden Problemen für die Spannungsgestaltung des Textes um und erfreut sich stattdessen an der kammer- und traumspielartigen, höchst künstlerisch gestalteten Frau-trifft-Mann-Geschichte und an der Aufforderung der Autorin an die Leserin, den Verstand zu gebrauchen, weniger das empathische Vermögen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.09.2015

Das Wort "vielleicht" aus dem Romantitel ist Programm, erklärt Rezensent Paul Jandl. Katerina Poladjans literarisches Roadmovie lebe von Anspielungen und von Vieldeutigkeit, die Dramaturgie lobt Jandl als raffiniert. Die Autorin wolle nichts erklären, so der Kritiker, deshalb sei auch ihre Sprache "zurückhaltend bis zur Sprödigkeit", Geschichten könne sie mit wenigen Sätzen entwerfen. Bereits beim diesjährigen Bachmann-Wettbewerb habe ein Auszug aus Poladjans Roman für einen Achtungserfolg gesorgt, Paul Jandl führt das vor allem auf die "stilistische Gelassenheit" zurück, mit der die in Moskau geborene Schriftstellerin von einer Europareise zwischen München, Salzburg, Südtirol und Marseille erzählt.

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