Aus dem Englischen von Lotte Dreimann und Angela Rummel. Mit Begleittexten von Ines Freitag, Janina Jonas und Verena Bauer. Ausgehend von der Beziehung zwischen Colette Peignot und Georges Bataille, erzählt "Meine Mutter: Dämonologie" von den Verstrickungen einer Frau in die widersprüchlichen Impulse von Zuneigung und Einsamkeit: Zu Beginn ihres Lebens als Erwachsene gerät Laure in eine leidenschaftliche und alles verschlingende Affäre mit ihrem Gefährten B. Das lässt sie aber letztlich unbefriedigt, weil ihr die Notwendigkeit einer eigenen Identität - unabhängig von ihrem Geliebten - klar wird. Im Verlangen zu entdecken, wer sie ist, begibt sie sich auf eine Reise der Selbstfindung: eine Odyssee in das Territorium ihrer Vergangenheit, in Erinnerungen und Phantasien ihrer Kindheit, in Zügellosigkeit und Hexerei.
Mit großer Freude hat Rezensent Ulf Schleth diese Neuausgabe von Kathy Ackers lange vergriffenem Roman "Meine Mutter: Dämonologie" aufgenommen. Er würdigt die 1997 verstorbene Autorin als Meisterin des Cut-ups und des Collagierens, als Rebellin und Enfant terrible. Vorliegenden Roman findet er schonungslos, kompromisslos und - auch politisch - nach wie vor erstaunlich aktuell. Die Beziehung zwischen Colette "Laure" Peignot und Georges Bataille dient der Autorin in seinen Augen dazu, von "Zuneigung und Einsamkeit zu erzählen", Geschlechterrollen aufzubrechen, das Männliche und das Weibliche zu sezieren, die Lügen der bürgerlichen Familie zu entlarven. Er versteht das Buch als "Geschichte der Selbstfindung eines modernen Menschen", das sich gerade heute mit großem Gewinn lesen lasse.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2010
Alexander Müller kann sich bei aller Würdigung des "subversiven Potentials" von Kathy Ackers 1994 erschienenem postmodernen Romans "Meine Mutter", einer gewissen Ermüdung nicht erwehren, die die fortgesetzten Provokationen, die darin versammelt sind, bei ihm hervorrufen. Die 1997 gestorbene amerikanische Autorin ist die "Großmeisterin" des Collagierens und Sampelns, und maßgebliche Inspirationsquelle für Autorinnen wie Helene Hegemann oder Charlotte Roche gewesen, so der Rezensent. Der Roman stellt den Bericht von Laure, Dichterin und Geliebte von Georges Bataille, dar, die sich darin von ihrem durch Gewalt und Hass geprägten Elternhaus und aus ihrer "obsessiven Beziehung" zu "B" zu emanzipieren sucht, fasst Müller zusammen. Die Erzählerin dokumentiert darin wüste Gewaltfantasien, die sie mal zum Opfer, mal zur Täterin machen, ergeht sich in "politischen Hasstiraden" und spart nicht an pornografischen Schilderungen, stellt der Rezensent fest. Keine angenehme Lektüre, gibt er zu, die in ihrer Drastik auch irgendwann eher abstumpfende Wirkung hat. Dazu kommen Wiederholungen und Theoriejargon, mitunter gar "Klischees" und "Pose" und so ist dieser Roman für den Rezensenten bestenfalls ein "zwiespältiges Vergnügen".
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