Katrin Askan

Wiederholungstäter

Roman
Cover: Wiederholungstäter
Berlin Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783827004215
Gebunden, 256 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Katrin Askan liegt hier zum ersten Mal eine Sammlung mit Erzählungen vor, unter diesen eine, für die sie in Klagenfurt den 3sat-Preis erhalten hat. Da ist die junge Thailand-Touristin. Einen Tag lang streunt sie durch Bangkok, ihre Wirklichkeit im bunten Gewimmel der Stadt ist synästhetisch greifbar: gegen die Schuppen gestrichen ist der Fisch schleimig, die rosa Wurstscheiben sind bräunlich verfärbt, doch obwohl wir sogar wissen, dass die Klimaanlage im Hotel über einen Drehknopf, die Lichtschalter über das Telefon zu bedienen sind, wissen wir am Ende nicht, was sich an diesem Tag tatsächlich ereignet hat...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2002

Rezensent Martin Krumbholz ist beeindruckt von den technischen Finessen der Autorin, deren Erzählungen, wie wir seinen Ausführungen entnehmen können, von Liebe oder Mord handeln. Insgesamt bleibt sein Eindruck von diesem Erzählband jedoch zwiespältig. Zwar liegt die "Crux" des Bandes für ihn in "der Virtuosität perfekt gewebter Oberflächen". Doch es irritiert ihn mitunter "die allzu gradlinige, zu geschlossene Analyse einer Person", Unstimmigkeiten bei der Mischung der Affekte, sowie Texte, die sich "im allzu Eindeutigen oder im Genrehaften" erschöpfen. Lust am Lesen bekam der Rezensent immer da, wo Gefühle in Karin Askans Geschichten uneindeutig werden, also Ambiguität ins Spiel kommt. Auch solche Texte scheint es im Band genug zu geben. Dennoch kommt es dem Rezensenten vor allem wie eine "technische Übung" vor. Nur wirklich gruselig oder beklemmend will es für ihn in den Mords- beziehungsweise Liebesgeschichten nicht werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.07.2002

Kristina Maidt-Zinke muss zugeben, dass die Autorin ihr Handwerk beherrscht. Sie entdeckt in dem Band mit Erzählungen jede Menge Beweise dafür, dass Askan technisch "tadellos", dabei "sauber, stimmig" schreiben kann. In den meisten Fällen gelinge es Askan, mit dem geringsten "sprachlichen Aufwand" und maximaler "Klischeetoleranz" dennoch ein bestimmtes "Niveau" nicht zu unterbieten. Und trotzdem ist die Rezensentin mit den Texten nicht recht glücklich. Sie stört, dass bei aller Beherrschung der erzählerischen Mittel die Geschichten allzu sehr an der Oberfläche bleiben und mitunter den "Kitsch" nicht nur steifen. Maidt-Zinke wirft der Autorin vor, mitunter zu "gesuchte Effekte" einzusetzen und dabei nicht selten ins "Triviale" abzugleiten. Vor allem aber kann die Rezensentin nicht verstehen, warum sich Askan in ihren Erzählungen der "Tiefe so hartnäckig verschließt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2002

Den größten Vorzug der zwölf kurzen Erzählungen sieht Pia Reinacher in der klaren kühlen Sprache, die durch genaue Beobachtungen Einblicke in die "miserablen Geheimnisse" hinter den banalen Alltagserfahrungen der Protagonisten erlaubt. Dabei seien die Plots "meist einfach", wie in der Geschichte vom "lächelnden Buddha", in der deprimierende Reiseerlebnisse in Thailand geschildert werden. Die Rezensentin lobt vor allem das "minutiöse Zerlegen in Einzelbeobachtungen", die Erkenntnisse erlauben, wie sie meint, und sie schätzt die Zurückhaltung der Autorin. Dass aber Zergliedern nicht immer zum Erfolg führt, legt Reinacher in der Kritik an der Erzählung "Katzensprung" dar, in der sie den Erkenntnisgewinn gering findet und die "schöne Schlichtheit", mit der Askan in anderen Erzählungen überzeugt, durch "freundliche Unbedarftheit" abgelöst sieht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.03.2002

Katrin Askan ist mit ihrem neuen Erzählband zweifelsohne in den Bannkreis der Postmoderne eingetreten. Dieses Gefühl hat Rezensentin Gisa Funck nicht nur aufgrund einer merklichen "Selbstverunsicherung" nahezu aller Figuren, sondern auch aufgrund eines konkreten Zitates, das die Autorin in der Bangkok-Geschichte des Buches platziert hat. Hier liest der Protagonist "ausgerechnet in einem Aufsatz von Jean-Francois Lyotard", was als Hinweis auf den befremdlichen Stabilitätsverlust der Charaktere zu deuten sei. Zwar sind die Geschichten "handwerklich gekonnt erzählt", manche Allegorien erschienen Funck jedoch gezwungen, und der nüchterne Tonfall Askans erscheint ihr so kalt, dass ihr einige der Erzählungen wie Versuchsanordnungen vorkommen. Andere Erzählungen wie die über den Dichter Snohl, findet sie gelungener: "Im besseren trifft Askan .. allerdings genau den Ton eines lakonischen, hintergründigen Humors. Ihren selbstverliebten Schriftsteller Snohl kann man sich vorstellen.

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