Nach dem Ende der NS-Diktatur entstanden aus der Konkursmasse des "Dritten Reichs" drei Staaten, die sich sehr unterschiedlich zum gemeinsamen Erbe der NS-Vergangenheit positionierten: Österreich erklärte sich zum ersten Opfer des Nationalsozialismus, während die DDR sich auf den antifaschistischen Widerstandskampf berief. Die Bundesrepublik wiederum übernahm zumindest offiziell die Verantwortung. Katrin Hammerstein vergleicht erstmals umfassend die drei Nachfolgestaaten des "Großdeutschen Reichs" in ihrem Umgang mit der NS-Geschichte. Dabei geht ihre Untersuchung durch eine transnationale, auf Wechselwirkungen gerichtete Perspektive über eine rein vergleichende Bewältigungsforschung hinaus. Die Vergangenheitsaufarbeitungen von Bundesrepublik, DDR und Österreich werden direkt in Beziehung zueinander gesetzt. Im Zentrum stehen die öffentlichen Geschichtsbilder vom Nationalsozialismus und deren sich vor allem seit den 1980er Jahren vollziehende Transformation und allmähliche Angleichung aneinander bzw. an das westdeutsche Narrativ. Gezeigt wird: Die gemeinsame Vergangenheit des Nationalsozialismus wurde in Teilen auch zu einer gemeinsamen und transnational verflochtenen Erinnerung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2018
Christoph Nübel lernt mit Katrin Hammersteins Dissertation, dass Erinnerung kein Naturereignis, sondern an den historischen Kontext gebunden ist. Auch wenn Nübel die ein oder andere analytische Leerstelle im Buch ausmacht, etwa, wenn die Autorin die Rolle der Medien in der Erinnerung an den Nationalsozialismus überbewertet, insgesamt scheint ihm die Herausarbeitung und der Vergleich des erinnerungspolitischen Wandels in Deutschland, der DDR und Österreich überzeugend.
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