Der Band versammelt Essays zu Hannah Arendt, H.G. Adler, David Rousset und anderen sowie historische Studien zur deutschen Besatzung in Frankreich, zur Rolle Ernst Jüngers in Paris und eine Fallgeschichte über mangelnde Aufklärung von NS-Verbrechen in der alten Bundesrepublik. "Im historisch-politischen Diskurs setzte sich Ende der 1990er Jahre ein "Erfolgsnarrativ" durch, die Rede von der erfolgreichen Demokratisierung der Bonner Republik auf der Grundlage von Vergessen und Verdrängung und unter Integration der alten Parteigenossen und NS-Täter. Um die Jahrtausendwende begann eine Entwicklung, die auch international zu beobachten war, die aber in Deutschland besonders ausgeprägt war. Während in rechtsintellektuellen Milieus noch beklagt wurde, die "obsessive" Erinnerung an den Holocaust führe zu einer deutschen Geschichtslosigkeit und erschwere die Bildung einer gesamtdeutschen Identität, hatten Politiker längst begriffen, welchen Vorteil ein kollektives Schuldeingeständnis bot. Die Instrumentalisierung des Holocaust für politische Zwecke wurde Programm. Seither dient die Vergangenheitsbewältigung der moralischen Selbstvergewisserung, nach außen hin als Ausweis, dass wir besser bewältigen als andere und ihnen Lehren erteilen können." (Aus dem Vorwort von Ahlrich Meyer)
Schwer beeindruckt ist Rezensent Rudolf Walther von dieser neuen Essaysammlung des Politikwissenschaftlers Ahlrich Meyer, der sich auch hier wieder dem Nationalsozialismus widmet. Zentral ist für den Kritiker besonders ein Essay zu Hannah Arendt, der ihm deutlich macht, dass die bei Arendt postulierte Verantwortung der Judenräte als These nicht haltbar ist. Auch den Text über den in Vergessenheit geratenen Soziologen und Theresienstadt-Überlebenden H.G. Adler liest Walther mit Gewinn, wie auch Ausführungen zu dem Historiker Léon Poliakov oder zur Besatzungspolitik in Frankreich. "Auch ohne Spezialkenntnisse lesbar" und von eminenter Bedeutung, findet der Kritiker.
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