Märtyrer!

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN
9783498003944
Gebunden, 400 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs. Übersetzung der Lyrik von Jürgen Brôcan. Cyrus Shams, 29, ist kein Meister des täglichen Lebens. Er schreibt umwerfend gute Gedichte und nimmt zu viele Drogen. Seit er denken kann, ringt er mit den großen Sinnfragen, mit seiner sexuellen Identität und seiner Vergangenheit. Er war noch ein Baby, als das Flugzeug abgeschossen wurde, mit dem seine Mutter auf dem Weg aus dem Iran in die Freiheit war. Ein tragischer Irrtum, ein sinnloser Tod, der ihn bis heute verfolgt. Cyrus sucht nach dem Sinn seiner Existenz und ist fasziniert von Märtyrern. Wie wäre es, sich einer Sache so zu verschreiben wie Jeanne d'Arc oder Bobby Sands? Und wer war seine Mutter eigentlich, wohin sollte ihre Reise führen? Cyrus, ausnahmsweise nüchtern und eventuell verliebt, begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, die ihn zu den Fragen der Zukunft führt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 24.07.2025
Rezensent Ronald Düker kommt aus dem Schwärmen über den Debütroman von Kaveh Akbar kaum heraus: Im Iran geboren, ist er als Kleinkind in die USA geflohen, wie auch sein Protagonist Cyrus, der ebenfalls Schriftsteller ist. Über die Handlung möchte Düker gar nicht so viel verraten, nur, dass es darum geht, dass der Glaube in dieser modernen Welt seine Heilsversprechen nicht mehr einlöst: Es lohnt sich nicht mehr, ein Märtyrer zu werden, sodass der Titel als Ironie zu verstehen ist. Stattdessen beschäftigt sich Cyrus auf der Suche nach seiner eigenen Identität mit den Märtyrern vergangener Zeiten, von Bobby Sands bis Jeanne d'Arc, lernt aber auch die moderne Kunst kennen, die ihm zeigt, dass die Erfindung des Kubismus wohl schon im alten Persien erfolgt ist, resümiert Düker. Für den Kritiker ein "schillerndes Scherbenmosaik", das er sehr gerne gelesen hat, inklusive des "schönsten Zungenkusses aller Zeiten."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2025
Rezensent Timo Posselt und Obama empfehlen den Debütroman von Kaveh Akbar. Die Erweckungsgeschichte eines schicksalsgebeutelten, drogenabhängigen US-Einwanderers aus dem Iran erzählt der Autor laut Posselt nah an seiner eigenen Biografie, detailreich, ab und zu pathetisch und mit wechselnden Perspektiven und allerhand Zeitsprüngen, die ganz gut zu den brüchigen Lebensgeschichten im Text passen, wie Posselt findet. Nachteil: nicht alle Figuren werden gleich plastisch. Die "transzendentale Obdachlosigkeit" des Helden wird dennoch gut sichtbar, so Posselt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.04.2025
Rezensent Moritz Baumstieger macht sich zunächst Luft über den Zustand der USA unter Trump, lässt nebenbei auch fallen, dass der iranisch-amerikanische Schriftsteller Kaveh Akbar während des Gazakriegs einen Boykottaufruf gegen Israel unterzeichnete und kommt schließlich auf den Roman zu sprechen, den er allerdings in den höchsten Tönen lobt. Und das, obwohl er ihm geradezu aus der Zeit gefallen scheint, erzählt er doch von einem trockenen Dichter namens Cyrus Shams, bis vor kurzem noch eher woker Student in Indiana, der bisher wenig Erfolg hatte, weil er lieber betrunken und stoned sein Bett einnässte. Sinniert wird über Mandelmilch und Yoga, zudem denkt Cyrus, wie der Autor in den USA aufgewachsener Sohn eines Iraners, über die Sinnhaftigkeit des Todes nach und liebäugelt mit dem Gedanken, selbst Märtyrer zu werden. Aber im Roman geht es um mehr, versichert uns Baumstieger: Dieses gelungene Debüt zeigt ihm nämlich die "selbstreferentielle Zahnlosigkeit des linken Amerikas" auf und spießt gut unterhaltend dessen Doppelmoral auf, so der Kritiker. Darüber hinaus ist es das Feuerwerk an Referenzen, das Akbar zündet, das den Rezensenten ganz für den Roman einnimmt: Wie hier persische Sagen, Nahostgeschichte, Islamophobie, Immigrationsbiografien und Identitätssuche verknüpft werden, findet Baumstieger geradezu "betörend".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.03.2025
Zwiespältig bespricht Rezensent Andreas Fanizadeh diesen Roman. Erstmal beruhigt er die Leser: Um religiösen Fanatismus geht es hier nicht, sondern um künstlerisches Märtyrertum. Danach sehnt sich offenbar die Hauptfigur, ein junger Autor, trockener Alkoholiker, der das Leben in ein Werk der Poesie verwandeln möchte. Dabei scheint er höchst launisch zu sein, was für den Rezensenten durchaus seinen Reiz hat. Die inneren Monologe des jungen Mannes, die Beschreibungen vom Alltagsleben an der Uni oder bei den AA findet Fanizadeh in ihrer Mischung gelungen. Problematisch wird es für ihn, wenn der Protagonist - wie auch sein Autor Sohn eines iranischen Vaters - mit Identitätsproblemen zu kämpfen hat. Da wird es doch arg klischeehaft, findet der Kritiker. "Rassismus als abstrakte Welterklärungsformel" überzeugt ihn jedenfalls nicht.