Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2000
Wenn Steine sprechen könnten, hätten sie viele Geschichten preiszugeben, eben: Geschichte. Da sie es nicht tun, schauen wir nicht hin, hören wir nicht zu. Komplizierter verhält es sich nach Hanno Helbling mit den Steinen, denen man aus diesem Grund eine Inschrift mitgegeben hat: sie tätigen Aussagen im Sinne ihrer Benutzer, ihrer Beschrifter, die damit "ihre" Geschichte der Nachwelt überliefern möchten - die Wahrheit verkünden sie nicht unbedingt. Wie ratlos stehen wir oft vor ihnen, wie achtlos gehen wir an ihnen vorüber, stöhnt Helbling. Halt! Uns kann geholfen werden, schwärmt der Rezensent. Denn wenn man diese Steine nebeneinander setzt und miteinander sprechen lässt, wie es der von ihm gepriesene Klaus Bartels tut, dann enthüllen sich plötzlich Standortwechsel, Umwidmungen, Spannungen zwischen bestimmten historischen Phasen wie etwa dem heidnischen und dem christlichen Rom. Voller Hochachtung spricht Helbling von dem extremen Arbeitsaufwand und der einfühlsamen Interpretationsarbeit, die der Autor geleistet hat.
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