Der Blick auf die vielfältigen historischen Ausprägungen der ?Diätetik" zeigt: So unterschiedlich die ärztlichen Gesundheitstheorien gewesen sein mögen, so sehr religiöse, philosophische und gesellschaftliche Faktoren die Vorstellung von ?gesund" und ?krank" prägten - die Anweisungen zu einem gesunden Leben blieben jahrhundertelang erstaunlich konstant, und die subjektive Erwartung, die man mit ?Gesundheit" verband, war in ihrem Kern nur geringen Veränderungen unterworfen. Gesundheit hatte dabei immer eine seelische Dimension, ?Diätetik" war auch Erziehung zur Lebensweisheit. Klaus Bergdolts Buch bietet einen Überblick über die Gesundheitslehren von den antiken Hochkulturen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als die naturwissenschaftliche Medizin ihren Siegeszug antrat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Leider schreibt Thomas Krüger etwas ungenau, dafür aber recht umständlich über Bergdolts Kulturgeschichte des gesunden Lebens, weshalb man ihm in seiner Rezension nicht immer ganz folgen kann. Krüger kritisiert allerdings ziemlich deutlich, dass die Kulturgeschichte seiner Meinung nach durchweg apolitisch konzipiert ist und mit dem 19. Jahrhundert endet. Ohne politische Ebene reduziert Bergdolt dabei die Geschichte der Medizin auf den Kampf zwischen Aberglauben und Wissenschaft, so Krüger: Am Ende dieser Geschichte steht Rudolf Virchow und mit ihm die emanzipierte Medizin. Damit, meint Krüger, unterschlägt der Autor den dialektischen Umschlag ärztlicher Wissenschaft im 20. Jahrhundert.
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