Mit einem Essay von Klaus Bachler. Das Burgtheater ist in Österreich eine Art Nationalheiligtum und wurde seit seiner Gründung im Jahr 1776 wie kein anderes Theater geliebt und gehasst. Besonders im Sperrfeuer der Kritik stehen jeweils die Direktoren; so hat etwa Claus Peymann mit der Uraufführung von Thomas Bernhards "Heldenplatz" für landesweiten Aufruhr gesorgt. Klaus Dermutz zeichnet ein faszinierendes und facettenreiches Porträt der traditionsreichen Bühne vom Beginn der Zweiten Republik bis zum 50-jährigen Jubiläum der Wiedereröffnung am 14. Oktober 2005.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2005
Erfreut zeigt sich Rezensent Helmut Mauro über den Dokumentationsband "Das Burgtheater 1955 - 2005", in dem Klaus Dermutz viele Bilder aus seiner Privatsammlung Öffentlichkeit zugänglich macht. Mauro schreibt über eine Fotographie Oskar Werners als Don Carlos, räsoniert über Brechts ambivalente Einstellung zu Schillers gleichnamigen Drama und erinnert an eine Aufführung am Deutschen Theater 1937 in Berlin, in der Albin Skoda den Carlos und Ewald Balser den Posa spielten, während Joseph Goebbels in der Loge saß: Balser habe ihn direkt angesprochen mit dem Schlüsselsatz "Geben Sie Gedankenfreiheit!" Mehr Vergnügen hätte Goebbels nach Mutmaßung des Rezensenten sicherlich an der Burgtheater-Aufführung von "Hundert Tage" mit Werner Krauß als Napoleon gehabt. Das Resümee des Rezensenten: ein Band, der "Glanz und Elend des Wiener Burgtheaters" sichtbar macht.
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