Fritz Lejeune (1892-1966) zählte zu den ersten professionellen Medizinhistorikern in Deutschland. In Zeiten der politischen Radikalisierung nach dem 1. Weltkrieg verstand Lejeune seinen Beruf als Arzt und Professor für Medizingeschichte in Köln und Wien ebenso sehr als tagespolitische Praxis wie er die Geschichte der Medizin selbst politisierte. Klaus Schmierer zeigt in seiner Biografie über diesen widersprüchlichen deutschen Wissenschaftler, wie sich die Entstehung der Medizingeschichte in Deutschland mit dem politischen und sozialen Alltag in der Epoche zwischen 1914 und 1945 verband, so zum Beispiel in Fragen der ärztlichen Standespolitik, in den Positionen zur militärischen Ordnung in der Gesellschaft, in der Bedeutung liberaler Vorkriegstraditionen oder in der Neubestimmung von Geschlechterrollen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2002
Nur ganz am Rande geht Robert Jütte auf die Studie von Klaus Schmierer über die zweifelhafte Karriere des Mediziners Fritz Lejeune während der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus ein. Dafür berichtet der Rezensent umso ausführlicher über die einzelnen Berufsstationen des Mediziners. Die werfen kein gutes Licht auf Lejeune. Schon früh wusste er sich innerhalb der deutschen Ärzteschaft mit äußerst umstrittenen Positionen zu profilieren, machte unter den Nazis schnell Karriere, wurde 1939 Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Wien und war nach dem Krieg bis 1964 Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes, wo er sich für die Todesstrafe bei schwerer Kindesmisshandlung einsetzte, informiert Jütte. In seiner Untersuchung, merkt der Rezensent kurz an, hätte Schmierer sich weniger auf die Vorkriegsjahre als vielmehr auf den weiteren Verlauf konzentrieren sollen. Denn gerade die Biografie Lejeunes ist "bestens geeignet", so Jütte, die "Kontinuität der Funktionseliten" nach 1945 exemplarisch näher herauszustellen.
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