Suchmaschinen wie Google stehen im Zentrum unseres digitalen Lebens. Hinter ihrem einfachen Interface verbirgt sich jedoch eine politische Philosophie in Form von komplexen digitalen Codes. Auf dem Spiel steht nichts weniger als die Frage, wie wir individuell und kollektiv etwas über die Welt in Erfahrung bringen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2010
Thomas Thiel ist zuversichtlich, dass die Welt doch "keine Google" wird. Um zu diesem Schluss zu kommen, scheint ihm die Lektüre des vorliegenden Sammelbands von Konrad Becker und Felix Stalder jedoch nicht zwingend notwendig. So einstimmig, wie hier Googles gewerbliche Ausrichtung diagnostiziert wird, so wenig überrascht zeigt sich der Rezensent von dieser Erkenntnis. Dass hinter dem Suchschlitz nicht Takt noch Feinsinn waltet, nicht Aufklärung das Ziel ist, sondern Dienst gegen Profil getauscht werden soll, weiß Thiel bereits. Auch von der Verschiebung der Wertmaßstäbe hin zum Populären und der politischen Instrumentalisierbarkeit Googles hat er gehört. Die anvisierte Emanzipation sieht er im Band ohnehin nicht durchgängig eingelöst. Anders verhält es sich da mit den gleichfalls hier enthaltenen medienhistorischen Essays. Die lassen ihn immerhin einen Blick hinter die Medienrhetorik werfen oder auf alteuropäische Grantigkeit als kolossalem Gegner gegen den Kraken bauen.
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