Nach vorherrschender Auffassung wird Deutschland die Hauptverantwortung für den Ersten Weltkrieg zugeschrieben. Auf breiter Quellengrundlage, vor allem mit ungedruckten Akten- und Nachlassbeständen, begründet jedoch der Autor, dass die Zwänge, denen Deutschland ausgesetzt blieb, größer waren als die Möglichkeiten. Bis zur Julikrise 1914 hat die deutsche Führung mit auf den Frieden gerichteten politischen Mitteln, entweder mit einer Politik der Stärke oder mit einer der Entspannung, auf eine weltmachtpolitische Gleichberechtigung und auf die Sicherung der bisherigen Stellung auf dem europäischen Kontinent gesetzt und versucht, dem Druck der Ausgrenzung durch die Rivalen zu entgehen und die Tripleentente Großbritanniens, Russlands und Frankreichs zu konterkarieren. Unter der sicherheitspolitischen Zwangsvorstellung, dieser in wenigen Jahren militärisch nicht mehr gewachsen zu sein, hat sie gemeinsam mit Wien im Juli 1914 den Krieg ausgelöst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2012
Dominik Geppert schätzt die Wende in der Geschichtsschreibung betreffend die Großmachtkonstellationen vor dem Ersten Weltkrieg. Dass es den deutschen Sonderweg nicht gab, lernt er vor allem aus der mit diesem Band abgeschlossenen Geschichte der deutschen Außenpolitik von 1870 bis 1914 von Konrad Canis. Basierend auf "gründlichem" Quellenstudium liefert ihm der Autor im Stil klassischer Diplomatiehistorie Belege für die relative Offenheit der Lage während der letzten zwölf Jahre vor Kriegsausbruch. Dass der Titel in seiner Zwangsläufigkeit dazu nicht recht passen mag, kann der Rezensent verkraften. Canis entzieht Verantwortliche wie Bülow und Bethmann dem Vorwurf des Eroberungsdranges und spricht stattdessen von einer alarmierenden Sorge als kennzeichnende Stimmung in Europa. Dass sich keine europäische Großmacht dem Krieg widersetzt hat, muss Geppert hier freilich auch lesen.
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