Konrad Merz

Ein Mensch fällt aus Deutschland

Roman
Cover: Ein Mensch fällt aus Deutschland
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783596711918
Gebunden, 208 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Neuausgabe mit einem Nachwort von Klaus Mann. An Weihnachten 1933 sitzt ein junger Student in einem Gasthaus irgendwo in Pommern. Er hat auf seiner Flucht kurz Rast gemacht und schreibt an seine Freundin Ilse: "Gestern früh sind wir aus Berlin gekippt. Ungewaschen, ungekämmt. Wie ausgespuckt." Kurze Zeit später muss er sich in den Niederlanden durchschlagen, heimlich unter dem Pensionsbett von Freunden übernachten. Die Niederländer versteht er nicht, sie blicken ihm nicht in die Augen, sehen in ihm nur "den Migranten" oder "den Flüchtling". Er sehnt sich nach Deutschland zurück, auch wenn weder Ilse noch seine Mutter verstehen können, warum er das Land überhaupt verlassen hat. 1934 sieht Deutschland noch nicht für jeden so düster aus wie wenige Jahre später. Aus Tagebucheinträgen und Briefen entsteht im Roman das Bild eines Mannes, der aus Deutschland "herausgefallen" ist, oder deutlicher: der fliehen musste. 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido erschienen, gilt er als erster Exilroman Deutschlands und beschreibt melancholisch und mit bitterem Humor eine düstere Zeit, in der sich alles, was folgen wird, schon vorahnen lässt. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2025

Konrad Merz, als Kurt Lehmann geboren, ist ein jüdischer Emigrant, der Deutschland Richtung Niederlande verlassen hat und dessen Tagebuchroman 1936 unter Pseudonym erscheint, wie Rezensent Hendrik Feindt festhält, jetzt erscheint das Buch bei S. Fischer mit einem Nachwort von Klaus Mann neu. Der Vater ist im Ersten Weltkrieg für, er selbst aus Deutschland gefallen, schreibt der Autor, der die Metapher des Fallens häufiger bedienen wird, wie Feindt weiß. Er liest hier von dem "Fallen ins Bodenlose", das Emigration bedeutet, die Suche nach einer sicheren Unterkunft als Illegaler, die Angst, entdeckt zu werden. Davon schreibe Lehmann mit einem fast schockierenden Sprachwitz. Nach Deutschland kehrt er auch nach Kriegsende nicht mehr zurück, schließt der beeindruckte Kritiker.

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