Klappentext
Parteien, die nicht weiterwissen? Regierungen im Dauer-Krisenmodus? Eine politische Klasse, die regelmäßig ihr Fähnchen in die neuesten Wind-Moden hält, Politiker, die nur mehr Schauspieler sind und keine Staatsmänner, die regelmäßig die Wege des geringsten Widerstandes einschlagen? Eine Republik, die attackiert wird von Demokratiefeinden, Faschisten und autoritären Kriegstreibern? Ein Land mit Menschen, die bereit sind, demokratische Ur-Prinzipien ebenso leichthändig wie gewissenlos über Bord zu werfen - und die sich nach einem "starken Mann" sehnen? Neu ist das nicht. Schon vor einhundert Jahren beugte sich Carl von Ossietzky mit spitzer, biegsamer Feder, klugem Kopf, pochendem Herzen und neugierigen Augen über das, was sich in der politischen Manege ereignete: "Was heute braune Hemden trägt, läuft morgen vielleicht in blauen oder violetten herum."Seine Analysen und Berichte lesen sich, als seien sie - von heute. Da ist von pompösem Schaugepränge die Rede, von haltlosen Windbeutel-Versprechen, von tauber Passivität wie vom Abbau von Rechten und der Demontage der Verfassung. Carl von Ossietzky heute zu lesen, sich von ihm warnen zu lassen, das geht jede und jeden an, überall, jederzeit.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.02.2026
Rezensentin Ulrike Köppchen staunt über den nahezu prophetischen Klang der hier versammelten Artikel des engagierten Antifaschisten Carl von Ossietzky. Was der Autor zwischen 1923 und 1931 "scharfzüngig" und hellsichtig über Zeitgeschehen und Zustände aufschreibt, erscheint Köppchen analytisch trefflich, tatsächlich "fingernagelbrennend" aktuell, wie es der Herausgebner Alexander Kluy behauptet, und allemal lesenswert, zumal Ossietzky eine elegante wie amüsante Feder führt. Auch wenn Berlin nicht Weimar ist, meint Köppchen.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 06.01.2026
Starke, teils erstaunlich aktuelle Texte, die freilich eine bessere Edition verdient gehabt hätten: So urteilt Marc Reichwein über diesen Band, der zehn Beiträge Carl von Ossietzkys zur Zeitschrift "Weltbühne" - der aus den 1920ern, nicht der, die dieser Tage die Kioske unsicher macht - versammelt. Viel lernt Reichwein über die Krisen der Weimarer Republik aus diesen Texten, auch hinsichtlich der vielfach beschworenen Parallelen zur Gegenwart. Die Rezension konzentriert sich freilich hauptsächlich auf einen biografischen Abriss zu Ossietzky sowie auf kritische Anmerkungen zu Herausgeber Alexander Kluy, der die hier wiederabgedruckten Texte kaum kommentiert und heutige Leser auch mit vielen heute unbekannten Namen aus dem politischen Leben der 1920er alleine lässt. Dass Ossietzky viel unter Pseudonym publiziert hat, erfährt Reichwein ebenfalls nicht von Kluys Edition. Das Fazit fällt ambivalent aus: tolle Texte, fragwürdige Präsentation.