Kristina Carlson

Ins Land am Ende der Welt

Roman
Cover: Ins Land am Ende der Welt
Alexander Fest Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783828601376
Gebunden, 192 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Im Jahr 1868 macht sich der junge Student Lennart Falk auf die weite, gefahrvolle Schiffsreise von Helsinki in den Südosten Sibiriens, um dort das Glück zu finden, nachdem er in seiner Heimat vergeblich gesucht hat. In der Hafenstadt Nachodka, dem östlichsten Vorposten des riesigen russischen Zarenreiches, dort, von wo es nur ein Katzensprung bis nach Japan ist, wird er das Opfer eines seltsamen Anschlags: Auf dem Heimweg vom Kontor des Hafenmeisters Petrow, in dem er als Schreiber arbeitet, wird Lennart von einem unbekannten hinterrücks zu Boden geschlagen. Wer ist es, der ihn in dieser Stadt der Mörder, Schächer, Diebe und Fälscher hat umbringen wollen? Könnte es Petrow gewesen sein, der dahinter gekommen ist, dass Lennart ein Verhältnis mit seiner Frau Aleksandra hatte? Oder Aleksandra, die sich gekränkt fühlt, weil Lennart sie zugunsten ihrer Tochter Vera sitzen ließ? Oder hat der Mordversuch womöglich etwas mit dem Steinkohlefund zu tun, aus dem Lennart heimlich Profit schlagen will?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2000

Wolfgang Schneider kann diesem Buch nicht viel abgewinnen. Am Anfang wird der Protagonist von einem Unbekannten mit einem Ziegelstein niedergeschlagen, und ein Krimi scheint sich zu entfalten. Doch das täuscht, deutet der Rezensent an. Abgesehen davon, dass hier seiner Ansicht nach alle Figuren so wirken, "als hätten sie den ein oder anderen Ziegelstein auf die Stirn bekommen", mangelt es dem Roman - wie Schneider findet - an Spannung. Der Roman-Mix zwischen Krimi, Liebes- und Abenteuergeschichte führt eben doch nicht immer zu einer Multiplikation von "Qualitäten und Spannungsfaktoren", stellt er müde fest. Stattdessen dominiere hier "zentnerschwere, graue Melancholie". Vielleicht ist das ein oder andere durchaus humorvoll gemeint, räumt Schneider ein. Doch er selbst kann das, was vermutlich scherzhaft gemeint ist, überhaupt nicht komisch finden. Ein "zähes Buch", lautet das Fazit des Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000

Klaus Böldl ist von diesem Roman, in dem ein gescheiterter Student 1868 von Helsinki nach Sibirien geschickt wird und dort einem Mordanschlag zum Opfer fällt, dem er allerdings nicht sofort erliegt, völlig in Bann geschlagen. Er ist beeindruckt von der Fähigkeit der finnischen Autorin mit "beiläufigen Impressionen eine versunkene Welt neu zu erschaffen" und preist die Leichtigkeit und Sicherheit, mit der sie ihre Geschichte entfaltet. An keiner Stelle verfalle Carlson in ein "schales Entdeckerpathos" oder trumpfe mit "Exotik" auf, lobt der Rezensent, den es überhaupt nicht wundert, dass die Autorin für diesen Debütroman den renommierten finnischen Literaturpreis erhalten hat. Dieser Roman wirkt nach, so der begeisterte Rezensent, und noch lange nach der Lektüre müsse man immer mal wieder an den "seltsamen Weltwinkel" zurückdenken, den der Roman so eindringlich beschreibe.
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