Rosa Liksom

Die Frau des Obersts

Roman
Cover: Die Frau des Obersts
Penguin Verlag, München 2020
ISBN 9783328600961
Gebunden, 224 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Finnischen von Stefan Moster. In einer Nacht lässt eine Frau ihr langes Leben in einem Dorf im Norden Finnlands Revue passieren. Schon mit vier Jahren schien ihr Schicksal besiegelt zu sein, als sie im Haus der Eltern den Oberst kennenlernt, ihren späteren Ehemann. Achtundzwanzig Jahre älter als sie, macht er aus ihr eine glühende Nationalsozialistin. Beide verehren sie Hitler, und mit seinen Erfolgen wächst ihre alles verzehrende Liebe zueinander. Doch mit dem Fall Nazideutschlands zieht die Gewalt in die Ehe ein - und sie muss alle Kräfte aufbieten, um sich zu befreien, von ihrem tyrannischen Mann und den falschen Versprechungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2020

Rezensent Tobias Obermeier berichtet hin und her gerissen von diesem Roman und seiner aus dem Norden Finnlands stammenden Autorin. Einerseits wirft er ihr Porno- und Nazikitsch vor, gleichzeitig aber gesteht er ihr zu, genau damit eine Anschauung zu liefern vom Funktionieren einer brutalen Ideologie. Die Unterwerfung der Ich-Erzählerin unter Nazitum und gewalttätigen Sex ihres deutschen Mannes, eines Militärs, mag ebenso anwidern, wie die späte Loslösung von ihm und der Naziideologie "bewundert" werden könnte, findet Obermeier. Er lobt die Sprache der Autorin, die eine "permanente Unruhe" aufrechterhält, findet es aber unmöglich diese Frau zu "verstehen", die sich hier so radikal dem Publikumsblick ausliefert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2020

Rezensent Fridtjof Küchemann ist entsetzt über die in Rosa Liksoms Roman beschriebenen Gewaltexzesse. Welche Perversionen der Krieg begünstigt, erfährt er von einer von ihrem Ehemann, einem Oberst und Hitler-Fan, geschundenen Frau im Lappland der 40er Jahre. Die Bestialität der Kriegszeit, der Naziterror und die häusliche Gewalt verschmelzen dabei laut Küchemann zu einem Rausch. Die nüchterne Erzählweise lässt den Rezensenten ahnen, welche Kompensationsleistung hier illustriert wird, aber auch, welche Lebensgier in dieser Erzählerin steckt.
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