Im April 2022 wird in Ungarn ein neues Parlament gewählt. Lacy Kornitzer nimmt dies zum Anlass für seine Abrechnung mit der Politik von Viktor Orbán. Das Bild, das er von den zunehmend autokratischen Verhältnissen im Land zeichnet, ist düster - für Regenbogenfarben gibt es darin keinen Platz mehr. Kenntnisreich und polemisch skizziert Lacy Kornitzer in 49 kurzen und längeren Vignetten die erschreckende Entwicklung der letzten Jahre: den rapiden Verfall der demokratischen Kultur und die Verarmung des öffentlichen Diskurses, die dramatische Unterminierung der Pressefreiheit, die Korruption der Regierungsclique, den grassierenden Antisemitismus und die Stigmatisierung von Minderheiten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2022
Rezensentin Ilma Rakusa blickt spätestens nach der Lektüre dieses Essays des Autors und Regisseurs Lacy Kornitzer mit Unbehagen in Ungarns Zukunft. In 49 nicht selten "polemischen", aber stets exakt recherchierten Vignetten schaut Kornitzer auf die "Wunden" ungarischer Geschichte und belegt Orbans "großungarische Fantasien" mit zahlreichen Beispielen, informiert Rakusa. Vor allem aber verdankt die Kritikerin Kornitzers Essay ganz neue Einblicke in Orbans Korruptionspolitik: Anhand "brisanter" Dokumente erzählt ihr der Autor nicht nur von den Ausmaßen der Vetternwirtschaft, der Kontrolle Orbans und den Verflechtungen zwischen Clans und Politik, sondern auch von der Armut vieler Ungarn. Kornitzers Plädoyer für ein "kosmopolitisches Denken" in der Tradition von Adorno, Wiesel, Kis oder Kertesz kann die Rezensentin nur beipflichten.
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