Eine liebe Frau
Roman

Gutkind Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783989410145
Gebunden, 160 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Welche Geschichte über unser Leben erzählen wir uns - und von welcher möchten wir, dass sie bleibt? 1963: An einem einzigen Tag in London lässt Marianne ihr Leben und ihre Entscheidungen Revue passieren. Als junge Frau wollte sie Pianistin werden. Gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin Lotte hatte sie große Pläne nach der Haushaltungsschule. Und Lotte hat es geschafft. Während sie in den 20er-Jahren eine bekannte Malerin wurde, ist für Marianne alles anders gekommen. Eine liebe Frau erzählt nicht nur von einer späten weiblichen Selbstermächtigung, sondern ist auch eine Liebeserklärung an die verändernde Kraft von Kunst und Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 06.07.2024
Rezensentin Hannah Lühmann findet nur lobende Worte für dieses literarische Debüt. Die junge Historikerin Latetia Lenel zeichnet das Leben ihrer Großmutter Marianne nach: von der jungen Frau, die weltberühmte Pianistin zu werden träumte, über die zunächst glückliche Ehe mit Paul, der durch die traumatische Erfahrung des Krieges in einen gewalttätigen Nationalismus verfiel, bis hin zu der fürsorglichen Frau, die sich, ihr Schicksal hinnehmend, in den Dienst anderer stellte. Bis auf den "etwas plakativen Titel" des Romans gefällt der Rezensentin alles an dieser Geschichte: Lenel, so Lühmann, interessiere sich nicht für "feministische Gegenwartsdiagnosen". Die Frage, ob Marianne, obwohl sie in jungen Jahren Kinder bekommt und ihre künstlerischen Träume aufgibt, doch von Selbstbestimmung geprägt sein könnte, lasse die Autorin schweben, ohne zu urteilen, meint Lühmann. Das liegt, so die Rezensentin begeistert, auch an Lenels historischem Anliegen: Sie sei vor allem daran interessiert, Mariannes Alltag so genau wie möglich zu skizzieren. Und gerade darin erkennt Lühmann auch die Aktualität des Werks: Die nationalistische Sprache in Pauls Briefen oder die völkischen Appelle der Schwiegermutter, die zwar an Marianne nur vorbeizugehen scheinen, zeigen für Lühmann, wie sehr sich Menschen unter dem Druck der Ideologie verformen können.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.07.2024
Ein Spaziergang durch das London des Jahres 1963 ist der Ausgangspunkt dieses Buches, erklärt Rezensentin Ursula März. Die Spaziergängerin in diesem Roman der Historikerin Laetitia Lenel ist Marianne, eine Mittsiebzigerin, die auf ihr Leben zurückblickt. Das entfaltet sich über zwei Weltkriege hinweg, im Zentrum steht Mariannes Entscheidung, ihre Pianistenlaufbahn für ein Leben als Mutter und Hausfrau aufzugeben. Eine Jugendfreundin Mariannes, eine erfolgreiche, kinderlose Malerin, wird als Gegenmodell entworfen, erzählt März, die hervorhebt, dass dieser Roman sich von manch anderen feministischen Erzählungen abhebt, die ob ihrer Botschaft das literarische Handwerk vergessen. Bei Lenel hingegen drängt sich das moralische Urteil nie in den Vordergrund, lobt die Rezensentin, geschickt verdichte die Autorin ihren Stoff und, hinter der vermeintlichen Konformität der Hauptfigur wird für die Kritikerin ein komplexes Individuum sichtbar.