Aus dem Jiddischen übersetzt und mit einem Vorwort von Armin Eidherr. Fünf Erzählungen - darunter die erstmals 1906 erschienene Novelle "Das Kreuz" - über das Leben in der Diaspora, die Pogrome in Osteuropa und das daraus folgende seelische und körperliche Leid - eine expressionistische "Elegie" osteuropäischen Judentums.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2001
Jacob Hessing sendet zunächst ein großes Lob an den Otto Müller Verlag, der den Leser mit diesem Band an dem "erstaunlichen Reichtum" der jiddischen Literatur teilhaben lässt, eine Literatur, die ihre Blütezeit in den ersten Jahrzehnten des Zwanzigsten Jahrhunderts erlebte. Die Auswahl der Texte legt nach Hessing Zeugnis darüber ab, wie die jiddische Kultur "und die von ihr geprägte Gesellschaft ihren Boden verlieren". So ist denn - wie der Leser erfährt - auch nur eine dieser Erzählungen in einer traditionellen jüdischen Gemeinde angesiedelt. Themen sind nach Hessing vor allem Auswanderung, Massenflucht, Pogrome, Rast- und Ruhelosigkeit, die "Pendelbewegung zwischen der Alten und der Neuen Welt", die sich auch in Shapiros eigener Biografie widerspiegelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.06.2000
Eine „bedrängend lebendige“ Prosa, die aus der Vergessenheit geholt wurde, schreibt ein tief beeindruckter Rezensent mit dem Kürzel "nah". In den Erzählungen des gebürtigen Ukrainers lebe die Welt der osteuropäischen Schtetl auf. Ein großer Erzähler ist hier wiederentdeckt worden, so "nah", der irritierende aber unvergessliche Bilder vor dem inneren Auge des Lesers aufleben lasse: Die ukrainischen Pogrome und die „Beseeltheit zugefrorener Flüsse“, das Innenleben eines schlafenden Eisbären und der Anblick der fast „zu Tode geschundenen Mutter“ - die Bilder Lamed Schapiro sind " von solcher Wucht", dass sie sich tief ins „Archiv“ des Unvergesslichen einbrennen.
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