Aus dem Amerikanischen von Pociao. Lawrence Ferlinghetti zählte über weit mehr als ein halbes Jahrhundert zu den Poeten, die globale Anerkennung genossen. Er wurde 1919 in New York geboren, wuchs bei seiner Tante in Frankreich auf und entdeckte seine italienische und portugiesisch-sephardisch-jüdische Herkunft spät. Auf seinen Reisen leitete Ferlinghetti eine Entdeckungslust, die ihm oft große Enttäuschungen eintrug. Sein Leitstern blieb die Poesie der Welt, die er absorbierte wie ein Schwamm und der er seinen Beitrag erstattete. Seinem Naturell entsprechend entdeckte er schnell die Brüchigkeit des Paradieses, ob als pure Landschaft oder politische Utopie, ob als Versprechen der Revolutionen oder des Kapitalismus. Am eindrücklichsten während seiner Reise durch die BRD-DDR-UDSSR, die er, in Nachodka angekommen, romantisch beginnend, desillusioniert zurück antreten musste: Parallel zu seinen poetischen Notizen in der zähen Ödnis dieses vergifteten ideologischen Alptraums, zeigt er, wie inhuman der Kommunismus die Menschen betrog.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2024
Rezensent Maximilian Mengeringhaus schwelgt in dieser vom Autor noch autorisierten Auswahl aus Lawrence Ferlinghettis Reisejournalen. Was der Dichter und Weltbürger ein Leben lang auf seinen Reisen notierte, bietet dem Leser laut Rezensent ein Füllhorn an Eindrücken, Zeugnisse von Ferlinghettis Neugier und Großmut. So die Erfahrungen des Autors mit rheinischer Küche, aber auch mit der Propaganda des Kalten Krieges. Stets ist Ferlinghetti ein aufmerksamer Beobachter, sind seine Texte einfühlsame Porträts von Menschen und Gegenden, beteuert der Rezensent. Ausstattung und Übersetzung des Bandes scheinen ihm "hervorragend gelungen".
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