Aus dem Englischen von Melanie Walz. England im 17. Jahrhundert. Als John seine Mutter verliert, hat er als Sohn einer angeblichen Hexe nur eine Chance, den Religionsfanatikern zu entkommen: Er muss seine vertraute Umgebung verlassen und das Herrenhaus von Buckland erreichen. Hier werden er und das von seiner Mutter überlieferte geheime Wissen um Pflanzen und Rezepte sicher sein. In Buckland steigt John vom Küchenjungen schnell zum Koch auf. Er versteht es, Lucretia, die verwöhnte Tochter von Sir William, mit seinen Kochkünsten zu betören. Aber Krieg und Standesunterschiede lassen kaum Platz für die Liebe. Lawrence Norfolk zeigt sein Liebespaar inmitten eines von politischen und religiösen Kämpfen zerrissenen Landes. Johns magische Rezepte und seine Geschichten aus jener Zeit, als Frauen und Männer, Herren und Knechte frei, gleich und glücklich ein sinnliches Fest feierten, sind wie ein Versprechen und schützen ihre Liebe vor Fanatismus, Gewalt und Verzweiflung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2013
Wer's mag, scheint Ernst Horst zu sagen, und uns damit selbst zu überlassen, was von diesem Buch zu halten ist. Dass der Autor Lawrence Norfolk das Handwerk des historischen Romans versteht und seine Fakten immer stimmen, weiß Horst allerdings. Nur ordnet er die zur Zeit der englischen Bürgerkriege, Oliver Cromwell und der Hexenprozesse spielende Geschichte eher dem Märchengenre zu. Was der Autor damit anstellt, wundert den Rezensenten dann doch. Etwa, wenn er seitenweise Einzelheiten aus der cuisine anglaise lesen muss, die der Held recht erfolgreich beackert. Die Kochtöpfe scheppern, es brutzelt und dampft, der Leser erfährt über Speisen und Zubereitungsarten noch und noch, Horst scheint das jedoch alles eher zufällig und austauschbar zu sein. Das Ende wird laut Rezensent noch einmal spannend, aber darüber wird weiter nichts verraten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.01.2013
Was Lawrence Norfolk da vorsetzt, ist ein "saftiger, genießbarer Schmöker", umschreibt Johan Schloemann. "Das Festmahl des John Saturnall" ist ein historischer Roman, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Ruf der englischen Küche (oder wenigstens der des 17. Jahrhunderts) zu rehabilitieren, berichtet der Rezensent. Und so kocht sich eben jener Saturnall fleißig in und aus Anstellungen und gelegentlich auch Herzen und "versteckt allerlei Singvögel und Wildbret im jeweils nächstgrößeren Tier". Besonders große Freude scheinen Norfolk die umfassenden Beschreibungen der wahnwitzigen Küchen-Choreographie gemacht zu haben, meint Schloemann. An einigen Stellen positioniert sich der Roman leicht kritisch gegenüber der damaligen Standesgesellschaft, allerdings immer mit einem kleinen Augenzwinkern, von einer romantischen Sozialutopie des Protagonisten aus: alle essen an einem Tisch. Diesen Wunsch bekommt Saturnall sogar für einen Abend erfüllt, verrät der Rezensent. Norfolks "Jamie Oliver der Vergangenheit" hat Schloemann Spaß gemacht, nicht mehr, nicht weniger.
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