Aus dem Englischen von Reiner Pfleiderer. In einer träumerischen Landschaft inmitten der Wüste Marokkos veranstalten Richard und Dally für ihre Freunde eine dreitägige extravagante Party im Gatsby-Stil, mit Kokain, Champagner, Pool und Feuerwerk. Auf dem Weg dorthin überfährt das britische Paar David und Jo, angetrunken und heillos zerstritten, einen Fossilienverkäufer am Straßenrand und möchte die Leiche am liebsten verschwinden lassen. Aber da taucht die Familie des Opfers auf und verlangt Davids Anwesenheit bei der Beerdigung in einem abgelegenen Dorf, während Jo sich weiter auf der ausgelassenen Party vergnügt. Die strebt ungebrochen ihrem Höhepunkt zu - unter den argwöhnischen Augen des Hausangestellten Hamid.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2017
Rezensentin Wiebke Porombka ist froh, dass Lawrence Osbornes im Original bereits 2012 erschienener Roman, der anhand einer dekadenten Tanger-Story in süffisantem Ton laut Rezensentin womöglich nichts Geringeres als die Frage der Schuld des Kolonialismus verhandelt, nicht auf schlichtes Gut und Böse setzt und zum politisch korrekten Lehrstück wird. Stattdessen kennt der Autor seine Kerouacs und Bowles, meint Porombka, und weiß, wie man einen Krimi ohne Läuterung inszeniert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.06.2017
So vergnügt wie verstört hat Rezensent Jens Bisky Lawrence Osbornes Roman "Denen man vergibt" gelesen. Denn die Geschichte um eine britische Gruppe dekadenter Partymenschen, die sich in Marokko niedergelassen hat und der Hitze und dem Rausch hingibt, bis ein unter den Gästen weilendes Ehepaar einen jungen Marokkaner überfährt, besticht nicht nur durch ihre kunstfertige Konstruktion, sondern auch durch die moralische Fragwürdigkeit der Figuren, die geradewegs einem Film noir entsprungen scheinen, meint der Kritiker: Weder den hedonistischen Partygästen, noch den Marokkanern, die sich ihren Lebensunterhalt mit Fossilien verdienen und von Europa träumen, kommt man trotz der Schilderung verschiedenster Innensichten näher, erklärt der Kritiker, der sich hier immer wieder in seiner "moralischen Urteilsfähigkeit" herausgefordert fühlt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2017
Angela Schader sieht in Lawrence Osborne einen geschickten Romanpokerspieler mit einem Royal Flush in der Hand. Dass am Ende des Romans sowohl der Autor als auch die Leserin als Gewinner dastehen, findet sie stark. Schader schlägt das dem Vermögen des Autors zu, seine Geschichte um den Verlust von sozialen und moralischen Gewissheiten in der marokkanischen Wüste mit steter Spannung und doch ohne billige Effekte zu erzählen. Die Gegenwelten von Touristen und Einheimischen etwa skizziert die Autor laut Schader mit leichter Hand, treffsicher und ohne schwarzweiß zu malen. Wuchtige und irritierende Szenen wechseln sich ab, erklärt Schader, die nur wenig in dem aus drei Handlungssträngen bestehenden Text nicht plausibel findet.
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