Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2003
In Deutschland wurde die sudanesische Schriftstellerin Leila Aboulela vor allem durch ihren Roman "Der Übersetzer" bekannt, erklärt der Rezensent Heinz Hug. Nun sei ein Band mit elf ihrer Kurzgeschichten erschienen, darunter der schon einmal veröffentlichte Text "Museum". Thematisch, so der Rezensent, knüpfen die Geschichten an den Roman an, in dem "Befremden" und "Entfremdung" eine zentrale Rolle spielen. Doch gehe es nicht nur um die Fremdheit der Kulturen untereinander, Aboulela setze tiefer an, schon innerhalb der Kulturen. Besonders gefallen hat dem Rezensenten, dass das Thema der Fremdheit nicht an "schrillen" Motiven aufgehängt, oder "schwarzweiß" gezeichnet wird, sondern auf komplexe, schlichte und "subtile" Weise. Trotz des eher "getragenen Tons" orientiere sich Aboulela keineswegs an "arabischen oder afrikanischen Erzählmustern". "Spielend" beherrsche sie die europäischen Erzählgepflogenheiten - variierte Erzählinstanzen und Verschränkung der Zeitebenen -, so das gnädige Lob des Rezensenten. Am interessantesten wird es für ihn da, wo Aboulela die "Schwachstellen" der westlichen Kultur berührt, nämlich "der fehlende Respekt vor dem Leben, der nachlässige Umgang mit einer weitgehenden individuellen Freiheit, der Mangel an Behutsamkeit im Umgang mit Menschen und Dingen".
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