"Mütter prägen uns, auch wenn wir es nicht wollen, sie nisten sich in unseren Köpfen und Herzen ein, flüstern uns zu, schimpfen, trösten, tun es auch noch, wenn sie verstorben sind, tun es selbst dann, wenn wir sie nicht oder kaum kannten. Wir setzen unsere Schritte auf das, was wir dank oder trotz unserer Mütter wurden. Tragen sie darin für immer mit uns", schreibt Lena Gorelik. Alle meine Mütter erzählt von dieser besonderen, oft lebenslang komplexen Beziehung und ihren Facetten, erzählt davon, welche Mütter wir selbst zu sein versuchen, wie wir scheitern, zweifeln, stolpern und welche Ängste uns begleiten, was uns bindet und prägt, aber auch, was uns abhält, was es heißt, ungewollt Mutter oder nicht Mutter zu sein, ein Kind anzunehmen, zu verlieren oder nicht loslassen zu können.Tiefste Liebe, Zweifel, ganz verschiedene Formen von Glück - in der ersten und vielleicht engsten Bindung unseres Lebens tritt der ganze Kosmos menschlicher Beziehungen zutage. Dieses Buch geht alle an.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.03.2026
Ob "Roman" eigentlich eine Fehlbezeichnung für diesen Text ist, fragt sich Rezensentin Marlen Hobrack, oder ob "Alle meine Mütter" nicht eher ein literarischer Essay ist. Eine Suche nach den Worten, die bezeichnen können, was es bedeutet für ein Ich, eine Mutter zu haben, eine Mutter zu werden, eine Mutter zu sein und vor allem zu verlieren. Gorelik sammelt Szenen, Fragmente, Geschichten verschiedener Mütter, legt ihnen die eigenen Worte in den Mund, verknüpft sie, um damit die eigene Mutter abzutasten oder abzuformen mit Worten. Was sie so zustande bringt, was sie über den mütterlichen Körper, die mütterliche Brust vor allem sagen kann, ist klug und versiert, und wie sie es sagt, "elegant", findet Hobrack. Und doch meint die Rezensentin hier, einer "Verfehlung" beizuwohnen. Denn das, was diese Autorin mit all ihren klugen, eleganten, sorgsam gesammelten Worten zu begreifen versucht, muss sich dem Text am Ende doch entziehen.
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