Lilli Tollkien

Mit beiden Händen den Himmel stützen

Roman
Cover: Mit beiden Händen den Himmel stützen
Aufbau Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783351042844
Gebunden, 255 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird. Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.06.2026

Was für ein Debüt! Volker Weidermann ist tief beeindruckt von Lilli Tollkiens Buch über eine düstere Kindheit im linken Kreuzberg der Achtziger Jahre. Wohl basierend auf eigenen Erfahrungen erzählt Tollkien von Lale, die als Kind einer heroinsüchtigen Mutter auf die Welt kommt, der Vater sitzt bald im Knast und sie selbst landet in einer Männer-WG. In "atemberaubenden Details" und "superfinster" erzählt Tollkien nun, wie Lale zum "Opfer dieser egomanischen Freiheitsmänner" wird, die nicht wissen, wie man mit einem Kind umgeht. Auch in ihrer Sexualität kennen sie keine Grenzen, was Lale ebenfalls zum Verhängnis wird, resümiert der Kritiker. Lale wächst in diesem Umfeld also ohne Stabilität und Vertrauen auf, entwickelt sich zu einem ängstlichen und übersensiblen Menschen, einen ersten Selbstmordversuch unternimmt sie mit Globuli, lesen wir. Es geht dann irgendwann zum Glück aufwärts, versichert der Kritiker, dennoch ist das, findet Weidermann, das perfekte dunkle Gegenstück zu Sven Regeners Roman "Herr Lehmann", der eher die positiven Seiten der Westberliner Verlorenheit darstellte. Weidermann ist begeistert von diesem dunklen und schönen Buch. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.03.2026

Ein starkes Stück Autofiktion ist Lilli Tollkiens Romandebüt, freut sich Rezensent Oliver Pfohlmann. Die Hauptfigur Lale ist ein Mädchen, das, weil die Mutter aufgrund von Drogenproblemen nicht für sie sorgen kann und der Vater im Knast sitzt, in einer Neuköllner Männer-WG aufwächst. Die linksbewegten Typen, bei denen sie wohnt, kümmern sich praktisch gar nicht um sie, sie kann machen was sie will, wird Zeugin von Drogenmissbrauch und dem empathielosen Umgang der Männer mit Frauen. Die Beschreibung dieser Jugend ist nicht frei von Ambivalenzen, stellt Pfohlmann klar, es gibt durchaus Szenen von Fürsorge in diesem Buch - aber eben auch viele Härten, bis hin zu sexuellem Missbrauch. Gleichzeitig geht es in diesem Buch auch darum, wie Tollkien solcher Prägung zum Trotz später lernt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. All das liest Pfohlmann ausgesprochen gern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.03.2026

Ein starkes Buch von Lilli Tollkien über eine Kindheit im linken Kreuzberg liest Rezensent Stefan Michalzik. Die Mutter der Erzählerin ist drogensüchtig und verschwindet bald, der Vater bewegt sich ebenfalls auf politischen und kriminellen Abwegen. Sie wächst dann in einer Männer-WG auf, in der niemand einen bürgerlichen Lebenswandel pflegt, dafür bekommt das Kind schon früh Alkohol und Drogen gereicht, auch Missbrauch ist an der Tagesordnung und wird, ganz libertär, als harmlos abgetan. Literarisch ist dieses sich vermutlich aus autobiografischer Erfahrung speisende Buch vor allem deshalb so großartig, weil es nicht als Anklageschrift verfasst ist, sondern nüchtern die damaligen Gegebenheiten schildert. Wenn sich manches wie eine Parodie auf linke Lebensstile liest, dann ist das die Schuld der Linken, nicht die dieses Buches, glaubt Michalzik. Dem Rezensent gefällt gerade das Abgründige, Ambivalente an diesem Buch, das er am liebsten höchstpersönlich mit Preisen dekorieren würde.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2026

Rezensentin Cynthia Cornelius zeigt sich ziemlich beeindruckt von Lilli Tolkiens Debütroman über Lale, ein Mädchen, das schon als Fötus den Drogenrausch der Mutter mitbekommt und dessen Vater als linker Terrorist im Knast sitzt. Sie wächst bei ihrem Pflegevater in einer Männer-WG auf, "zwischen Utopie und Verantwortungslosigkeit", zwischen Drogen, Übergriffen, misogynen Dynamiken und der Freiheit, zu tun, was sie will, lesen wir. Sie sucht nach ihrem Platz im Leben, eine Suche, die für Cornelius gerade durch den protokollarischen Ton so eindrücklich ist. Ein Roman, der die Rezensentin durch Präzision, eine genaue Erzählstimme und das Sujet, das ansonsten oft ausgeklammert wird, überzeugt. Sie fühlt sich an "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und Angelika Klüssendorfs "Das Mädchen" erinnert.

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