5 CDs mit 350 Minuten Laufzeit. Ein meisterhaft konstruierter Roman, in dem Leo Perutz mit unnachahmlicher stilistischer Raffinesse die seelischen Abgründe seiner Protagonisten ausleuchtet. Wien, vor dem Ersten Weltkrieg: Eine rätselhafte Todesserie erschüttert die Gesellschaft. In rascher Folge sterben ein junger Offizier, der seinerseits dem Tod seines Bruders nachforschte, sowie ein alternder Hofschauspieler,der am Unglückstag, ohne es zu wissen, durch einen Bankcrash sein gesamtes Vermögen verloren hat. Für keinen der drei vermeintlichen Selbstmorde läßt sich ein plausibles Motiv finden. Sollte es etwa doch Mord gewesen sein? Kaum beachtete Nebensächlichkeiten verdichten sich allmählich zu Indizien gegen den Ich-Erzähler des Romans, dem der Ehrenkodex seines Standes nur noch den Weg des Selbstmordes offen zu lassen scheint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2007
Mit Nabokov hat man Leo Perutz verglichen, mit Kafka und Poe. Alles nicht ganz falsch, findet die Rezensentin Beate Tröger, aber in Wahrheit habe Perutz solche Vergleiche gar nicht nötig. Den nun als Hörbuch von Peter Simonischek dargebotenen Roman "Der Meister des jüngsten Tages" jedenfalls habe einzig der Autor selbst als "Bockmist" bezeichnet, sonst sind der Bewunderer viele. Die Rezensentin gehört fraglos auch dazu. Wie hier die wahren Vorgänge um den Selbstmord des faillierten Schauspielers Bischoff nur andeutungsweise klar werden, weil der Erzähler nie mit der ganzen Wahrheit herausrückt, das findet Tröger raffiniert. Und wie Simonischek als Leser den Zuhörer einlädt, der Perspektive dieses Erzählers zu folgen, das scheint ihr offenkundig kongenial.
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