Mit einem Nachwort von Hans-Harald Müller. Wien, vor dem Ersten Weltkrieg: Eine rätselhafte Todesserie erschüttert die Gesellschaft. War es Selbstmord? Oder Mord? Kaum beachtete Nebensächlichkeiten verdichten sich allmählich zu Indizien gegen den Ich-Erzähler des Romans, dem der Ehrenkodex seines Standes nur noch den Weg des Selbstmordes offen zu lassen scheint.
Leo Perutz ist für Rezensent Volker Hummel einer der "luzidesten Träumer deutscher Sprache". Deshalb ist er dem Wiener Zsolnay-Verlag für die sukzessive Neuedition seines Werkes in den letzten Jahren, zu der sich nun auch dieser bedeutende Roman von 1923 gesellt, außerordentlich dankbar. Hummel zufolge handelt es sich um ein "ins Gewand eines klassischen Krimis" gehülltes "literarisches Vexierspiel", das sich um einen Schauspieler dreht, dessen Leiche während einer Abendgesellschaft in einem Gartenpavillon aufgefunden wird. Des weiteren spiele ein Maler sowie eine nicht existierende Fantasiefarbe eine Rolle, die einst Perutz-Fan Theodor W. Adorno in seiner "Ästhetischen Theorie" zu bahnbrechenden Überlegungen über das "Unsubsumierbare der Kunst" inspiriert habe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2006
Ein "Geheimtipp" ist dieser Roman, der weder so richtig als Kriminal- noch als Spannungs- noch als selbstironischer Roman zu beschreiben ist, wie Rezensent Oliver Pfohlmann feststellen muss. Es geht um Identität und Moral nach Freud und dem Ersten Weltkrieg, resümiert der Rezensent. Der Erzähler selbst entpuppe sich nämlich als unsicherer Kantonist in dieser Geschichte, er sei ganz freudianisch nicht "Herr seiner selbst". Kein Geringerer als Borges habe "Der Meister des Jüngsten Tages" zu den besten Krimis überhaupt gezählt, ergänzt Pfohlmann ohne sichtlichen Widerspruch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2006
In seiner eingehenden Besprechung freut sich Hardy Reich über die Neuauflage von Leo Perutz' Roman "Der Meister des jüngsten Tages", nicht zuletzt weil er findet, dass Perutz, wenn auch nicht zu den heute vergessenen, dann zumindest zu den nicht genug beachteten Schriftstellern gehört. Der Rezensent preist den 1882 in Prag geborenen und bis zu seiner Flucht nach Tel Aviv 1938 in Wien lebenden Autor als Meister von sowohl enorm spannenden als auch höchsten literarischen Ansprüchen genügenden Romanen. Dieses zum ersten Mal 1927 erschienene Buch spielt vor dem Ersten Weltkrieg. Bei der Suche nach den wahren Gründen für den Suizid eines Offiziers werden die Grenzen zum Detektivroman mit bewussten Anklängen an Sherlock Holmes überschritten, gleichzeitig entsteht durch die sehr rhythmische Erzählweise eine überaus "dichte" Atmosphäre, reportiert Reich fasziniert. Als "raffiniert" und dabei durchaus typisch für Perutz lobt er die Konstruktion des Buches, das sich gegenseitig ausschließende Darstellungen enthält und damit dem "Prinzip konkurrierende Realitäten" anhängt, wie es der Rezensent ausdrückt. Hier zeige sich der moderne Autor als der Romantik verpflichtet, meint Reich, der sich nun auch noch über eine Neuausgabe von Perutz' Roman "St. Petri-Schnee" enorm freuen würde.
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