Aus dem Rätoromanischen von Claudio Spescha. Leo Tuor erzählt vom Scheitern eines Jägers und seiner Begleiter in der rauen Landschaft von Cavrein. In der feuchten, kleinen Hütte mit dem rauchenden Herd verstauen sie ihren Zweiwochenproviant, brechen morgens in der Dunkelheit auf, steigen über Alpweiden und Sümpfe, liegen speckkauend in den Felsen, spionieren mit Feldstechern die Bergflanken ab, schleichen über Geröllhalden und Felsbänder, stolpern über die Ruinen der Hütte, von der aus Placidus Spescha den Tödi oder doch besser den Piz Russein in Angriff nahm, über Tutenchamon und das Kloster Disentis, über Reminiszenzen einer umfassenden Lektüre über Berge, Tiere, Tod und Literatur von Plinius bis Wittgenstein, von Dante bis Malaparte. Und über Raskolnikow. Denn "ob eine Literatur etwas taugt oder nicht, lässt sich daran erkennen, dass man ihren Figuren im Leben wieder begegnet".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2014
Demut kann Roman Bucheli mit diesem Buch und seinem Helden, dem Jäger, lernen, muss aber kein Pathos oder kitschige Bilder metaphysischer Obdachlosigkeit ertragen. Wie gut. Gut auch, meint Bucheli, dass die Sache mit dem Jäger von Leo Tuor nicht allzu dick aufgetragen wird. Eher geht es um Tod und Leben und Liebe und Gespenster und wie alles, verbunden durch unsichtbare Bande, zusammenhängt, erklärt Bucheli etwas kryptisch. Das 2010 im Surselvischen Original erschienene Buch besticht den Rezensenten vor allem durch seine imaginatorische Kraft, die das Archaische mit dem Modernen sich reiben lässt, und die poetische Weltschöpfungsenergie, die der Autor an Wäldern und Bächen und Tälern probiert. Melville lässt grüßen, meint Bucheli, wenn der Text Respekt und Demut vor der Kreatur einfordert.
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