Leon Bloy hat neben seinen Essais und Romanen ein riesiges Tagebuchwerk hinterlassen, das, wenn auch bisher wenig bekannt, ihn in die Reihe der großen Diaristen von Rousseau über Gide bis zu Ernst Jünger stellt. Hier liegt nun ein Querschnitt vor, zum großen Teil erstmals auf Deutsch, der in die Welt des großen Hassers, Liebenden und zeitlebens zum Relativismus Unfähigen einführt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2009
Alexander Pschera begrüßt diese von Peter Weiß betreute Auswahl aus den Tagebüchern des französischen Autors Leon Bloy, die einen Querschnitt durch dessen vieltausendseitiges Tagebuch bietet. Ausführlich berichtet er von der Faszination, die Bloy auf Ernst Jünger ausübte, der in ihm eine "christliche Gegenfigur zu Friedrich Nietzsche? sah. Pschera schildert Bloy als radikalen Außenseiter, als Apokalyptiker, der Materialismus und Bigotterie gnadenlos geißelte. Im Blick auf vorliegendes Werk betont Pschera, dass Bloys "blockhafter, sentenzenhafter? Stil gut für eine Auswahl geeignet sei. Er hält die Zusammenstellung von Weiß nicht nur für "gut strukturiert?. Sie lässt für ihn auch die Leitmotive von Bloy erkennbar werden. Allerdings macht er auch auf die Verkürzungen aufmerksam, die durch die Text-Extraktion zustande kommen. Die Auswahl scheint ihm besonders einem Charakteristikum des Tagebuchs nicht gerecht zu werden, der Zeit. Und noch ein Punkt ist Pschera wichtig: "Die hier ausgewählten Textstellen betonen eher das Anarchische und Zerstörerische Leon Bloys - das symbolische Potential dieser Sprache, die sich durchaus auch als Theologie versteht, bleibt dagegen unterbelichtet.?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.01.2009
Als "Virtuosen der Ablehnung" und "reaktionären Anarchisten" beschreibt Alexander Kissler den Katholiken und Apokalyptiker Leon Bloy, aus dessen sehr umfangreichen Tagebüchern nun eine Auswahl auf Deutsch erschienen ist. Sie sind keine leichte Lektüre: Bloy erweist sich als "Chronist der Untergänge", der Katastrophen seiner Zeit als göttliche Strafen deutet und grimmig gegen überflüssigen Luxus ebenso wie gegen Auswirkungen der Aufklärung oder die Mittelmäßigkeit der Kirche wettert. Und dies mische sich mit der Darstellung von Bloys eigenen schwierigen Lebensumständen. Bloys Theologie beschreibt Kissler als "leidfixiert" und auf die Passion Christi bezogen. Sein Verständnis von Kunst ist mit der Annahme des Absoluten verbunden, die einen "Zwang zur symbolischen Weltsicht" bedeute. Und in diesem Sinne habe die Aufklärung sowohl Dichtern als auch Gläubigen einen entscheidenden Schlag versetzt. Insgesamt findet Kissler diese "Ekstasen der Einsamkeit" nicht immer leicht nachvollziehbar, jedoch lesenswert als Manifestation einer "radikaleren" Sicht auf Religion und Kunst.
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