Die "Poetik des Nicht(s)tuns" ist weder eine Ethik noch eine Kritik. Sie traut den vermeintlichen Segnungen der Arbeitsideologien ebenso wenig wie den Lobreden auf Müßiggang und Faulheit. Ihre begründete Indolenz verdankt sich der Semantik radikaler Verweigerungsstrategien, wie sie einzig der Literatur vorbehalten sind. Somit konstituiert sich diese Poetik zunächst in Lektüren müßiger, fauler und nichtsnutziger Texte. Was sie, trotz aller Skepsis gegenüber jeder Begriffsarbeit, leistet, ist zweierlei: Zum einen erzählt sie eine Geschichte, die sich von der Romantik mit ihren immer schon ironisch gebrochenen Nobilitierungsversuchen des Müßiggangs bis in das ausgehende 20. Jahrhundert mit seinen melancholischen Szenarien des Nichtstuns erstreckt. Und zum anderen wird in systematischer Hinsicht laboriert an Begriffen wie Müßiggang, Faulheit und Nichtstun.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2009
Die Verweigerungsstrategien in der Literatur seit 1800 lässt sich Gesine Hindemith von Leonhard Fuest gerne auseinandersetzen. Hindemith schätzt die Genauigkeit der Analyse, die ihr die Faulheit als Methode erklärt und sie Müßiggang und Nichtstun voneinander unterscheiden lehrt. Dass der Autor Baudelaires Flaneur und Melvilles Bartleby für sein Thema genauer unter die Lupe nimmt, erscheint der Rezensentin nachvollziehbar. Wenn Fuest allerdings Kafkas Gregor Samsa sozusagen zum König aller Nichtstuer, zum, wenn auch unfreiwilligen, Totalverweigerer bürgerlicher Arbeitsmoral kürt, zeigt sich Hindemith überrascht, ja sogar unheimlich berührt.
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