119 zweifarbige Karten. Herausgegeben und aus dem Russischen von Günter Hirt und Sascha Wonders.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.02.2004
Martin Z. Schröder ist geradezu bezaubert von diesem "Nicht-Buch" des russischen Lyrikers Lew Rubinstein, das sich als hölzerner Karteikasten mit 140 bedruckten Karten erweist, auf deren Vorderseite auf Deutsch, auf der Rückseite auf Russisch die jeweiligen Texte zu lesen sind. Dabei betont der begeisterte Rezensent, dass besonders die Pausen, die zwischen dem Ziehen der Karten entsteht, zum "eigentlichen Substrat des Texts" werden. Mitunter entstehen durch die Abfolge der Karteikarten scheinbar kleine Geschichten und manchmal entwickelt sich ein "innerer Dialog" mit dem Leser, wobei die mitunter "geradezu kosmische Empfindung, die die Texte provozieren auch "sehr komisch" wirken kann, so der Rezensent hingerissen. Er lobt auch die Übersetzungen ins Deutsche von Günter Hirt und Sascha Wonders als "sehr gepflegt" und ist insbesondere tief beeindruckt vom "verlegerischen Mut", der sich in der Publikation dieses ungewöhnlichen literarischen Genres zeigt. Ein "berückender lyrischer Spross", bringt Schröder seine Begeisterung abschließend auf den Punkt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2004
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Felix Philipp Ingold von Lew Rubinsteins Kartothek "Programm der gemeinsamen Erlebnisse". Dabei handelt es sich um einen Teil von Rubinsteins großem Werk, einer Sammlung von tausenden von Karteikarten, die der Autor seit 1975 mit Wörtern, Wortverbindungen und Sätzen aller Art beschreibt. Die nun vorliegenden 350 doppelseitig (russisch/deutsch) und zweifarbig (schwarz/rot) bedruckten Karten bieten "eher alltägliche und zufällige denn poetische oder aphoristische" Notizen, berichtet Ingold. Er beschreibt das Projekt folgendermaßen: "Fragmentierte, gleichsam materialisierte, beliebig kombinierbare Rede, einsetzbar in mancherlei Funktion - als Postkarte, als Buchzeichen, als konkretes Gedicht, vielleicht auch tatsächlich (was zu testen wäre) als Kartenspiel." Die drucktechnische Erscheinung der Karten findet er ganz exzellent. Allerdings mahnt er, darüber nicht zu vergessen, dass diese käufliche Kartothek nicht das "wahre Objekt" sei, sondern nur das "Objekt als Ware". "Doch auch als kommerzielles Verlagsprodukt", resümiert er, "ist dieser Zettelkasten ein staunenswertes Lesegerät."
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