Mädchen, 1983
Roman

Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN
9783630877211
Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Norwegischen von Paul Berf. "Indem ich beschreibe, was geschah, indem ich die Geschichte so wahrheitsgemäß erzähle, wie ich nur kann, versuche ich, sie in einem Körper zu vereinen - die Frau von 2021 und das Mädchen von 1983. Ich weiß nicht, ob das möglich ist."Wie wirkt das, was wir nicht mehr erinnern, in uns weiter? Ist es möglich, ehrlich über etwas zu schreiben, das vor fast vierzig Jahren passiert ist? Paris, eine Winternacht im Jahr 1983. Sie ist sechzehn Jahre alt und hat sich verirrt im Labyrinth der unbekannten Straßen. Auf einem Zettel hat sie sich die Adresse des dreißig Jahre älteren Modefotografen notiert, der zufällig in New York auf sie aufmerksam wurde und sie bat, nach Paris zu kommen, damit er sie dort fotografieren kann. Gegen den Willen der Mutter, geprägt von dem Wunsch, die Fesseln der Kindheit abzustreifen, macht sie sich auf den Weg. Vier Jahrzehnte später, in einer Zeit der inneren und äußeren Krise, versucht die erwachsene Frau, das junge Mädchen zu verstehen, die sie einmal war.
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Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2025
Linn Ullmann legt hier, findet Rezensentin Judith Leister, ein starkes autofiktionales Buch vor. Die Autorin ist die Tochter des Filmregisseurs Ingmar Bergman und der Schauspielerin Liv Ullmann, wichtig ist in ihrem neuen Werk, lesen wir, vor allem die Mutter-Tochter-Beziehung. Es geht um eine Episode in Ullmanns Teenagerzeit: die Ullmann-Tochter, die bereits ein gehöriges Alkoholproblem entwickelt hat und als Model arbeiten will, fliegt gegen den Willen ihrer Mutter nach Paris, wo sie abstürzt und Sex mit einem deutlich älteren Fotografen hat. Diese Episode lässt sie dann nicht mehr los, während der Corona-Jahre fällt sie in ein tiefes Loch, versucht wieder und wieder, der Vergangenheit habhaft zu werden. Leister mag an diesem Buch, dass Ullmann nicht einfach nur ein weiteres #MeToo-Buch geschrieben hat, sondern, auch wenn sie Machtmissbrauch durch ältere Männer klar benennt, eher auf die Ambivalenzen in Beziehungen zwischen Menschen hinaus will. Unter anderem, schließt die positive Besprechung, eben auch in Bezug auf Mutter-Kind-Beziehungen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 09.07.2025
Rezensent Carsten Hueck sieht diesen autofiktionalen Roman der Norwegerin Linn Ullmann in der Tradition von Vigdis Hjorth, die sich ebenfalls dem Thema "Missbrauch" widmet. In Ullmanns Fall ist der Täter ein Modefotograf in seinen Vierzigern, dem die damals 16-jährige Linn in den 1980er Jahren begegnet. Im Text wird er nur kurz als A. bezeichnet, die Leserin könnte ihn als David Bailey identifzieren, ihm Wesentlichen bleibt er aber konturlos, erzählt uns Hueck. Wichtiger ist die Heldin des Romans, die mit dem Blick der heute 50-jährigen Schriftstellerin detailreich die Geschehnisse und deren Folgen rekonstruiert. Es ist nicht zuletzt der zwischen Sanftmut, Mitgefühl, Sachlichkeit, Strenge und Poesie mäandernde, mitunter "rotzige" Erzählton von Ullmann, der den Rezensenten besonders einnimmt. Ein großes, reichhaltiges Buch, das nicht zuletzt dank der Verwiese auf Dickens, Duras, Bachmann oder Borges weit über eine autobiografische MeToo-Geschichte hinausgeht, schließt Hueck.