Er war noch ein kleiner Junge, als seine Mutter ihm das Familiengeheimnis anvertraute: dass sein Urgroßvater ein Indianer gewesen sei, in den sich die Urgroßmutter, die einst in Amerika als Lehrerin in der Missionsschule gearbeitet hatte, verliebte. Allerdings wurde er kurze Zeit später ermordet und die Urgroßmutter kehrte in die Schweiz zurück.
Es fiel gerade Schnee, als die Mutter über die Vorfahren sprach; Amerika und die Welt der Indianer waren sehr weit weg, die ganze Sache klang wie ein fremdes, exotisches Märchen.
Doch viele Jahre später - aus dem Jungen ist inzwischen ein mäßig erfolgreicher Schriftsteller geworden - begibt er sich auf die Spur seiner Ahnen. Die Geschichte seiner Abstammung wird immer löchriger, je tiefer er sich in sie hineinbegibt und das Schicksal der Arapaho und der anderen Indianerstämme kennenlernt, die in Reservate gedrängt wurden, weil Siedler aus Europa kamen, sich Land nahmen und es angeblich zivilisierten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2017
Als versierter Krimiautor weiß Linus Reichlin trotz zahlreicher Abschweifungen Spannung aufzubauen, bemerkt Friedmar Apel. Daher stört es den Kritiker keineswegs, dass Reichlin hier nicht nur einen herzkranken, in Ehe und Beruf gescheiterten Schriftsteller auf Ahnenforschung zu den Arapaho-Indianern schickt, sondern das Ganze auch noch mit Zitaten der Urgroßmutter, Traumerzählungen, Reflexionen über Emigration und Kolonisierung und einer Prise Identitätssuche anreichert. Ein einnehmender, wenngleich desillusionierender Reiseroman, der nicht zuletzt ein "farbiges" Bild des heutigen Lebens der nordamerikanischen Indianer zeichnet, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2017
Ulrich Barons Nacherzählung lässt es nur erahnen: Linus Reichlins neuer Roman "Manitoba" scheint ihm gefallen zu haben. Der Kritiker reist hier mit einem erfolglosen Schweizer Schriftsteller auf Ahnensuche zum Stamm der Arapaho-Indianer, amüsiert sich über die Begegnung zwischen dem Schweizer und dem Indianer, erlebt zwischen zahlreichen "Memento-Mori-Momenten" wie die indianische Kultur verdrängt wurde und entdeckt die ein oder andere "tragische" Vater-Sohn-Geschichte, die ihm unweigerlich Franz Kafka ins Gedächtnis ruft.
Einen wunderbaren Roman und nicht zuletzt eine äußerst aktuelle Parabel über das Eigene und das Fremde hat Rezensent Richard Kämmerlings mit Linus Reichlins neuem Buch "Manitoba" entdeckt. Er begleitet den Schweizer Schriftsteller hier auf eine Reise zu den Indianern in die Wildnis "Manitobas", wo sich der Autor auf Spurensuche nach seinem vermeintlichen Urgroßvater, einem Arapaho-Indianer, begibt und bald an der vermuteten Ahnenreihe zu zweifeln beginnt. Reichlin erzählt mit Leichtigkeit, Feingefühl und Melancholie, lobt der Kritiker, der hier nicht zuletzt eine "Parodie auf das modische Nature Writing" gelesen hat.
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