Das kleine Häuschen auf dem Land war ein echter Glücksfall, Friedel ist schwanger und Jakob hat endlich die nötige Ruhe, um an seinem zweiten Roman zu schreiben. Alles ist perfekt. Also fast. Natürlich muss erst noch renoviert und ein Wickeltisch gebaut werden und vielleicht ein Bett, denn gekaufte Betten würden gar nicht in diese Idylle passen. Dann kann es endlich so sein, wie Jakob es sich schon als Kind immer gewünscht hat. Die Nachbarn sind zwar hilfsbereit, haben aber ihre eigenen Vorstellungen vom Leben auf dem Land. Dass Ramona, die übergewichtige Mutter von Denny, der wohl schon lange vor ihnen auf das Haus scharf war, Jakob so den Kopf verdreht, ist doch nicht normal.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2022
Naja: Rezensent Kevin Hanschke zeigt sich wenig begeistert von Lola Randls Geschichte eines Paares, die von Berlin nach Brandenburg aufs Land ziehen. Ein bisschen naiv scheinen dem Rezensenten Jakob und Friedel mit ihrer Idee, die Kinder auf dem Dorf aufwachsen lassen zu wollen. Auch dieses Dorf sei voller Klischees gezeichnet: Alle hassen die "Scheißwessis." Das ist für Hanschke schnell ermüdend. Spannend findet er zwar die archaisch-literarischen Elemente um den Werwolf als "Monster im Mann", das sich auch psychoanalytisch lesen lasse, aber auch das kann in seinen Augen den "seichten Höllentrip" nicht mehr retten.
Rezensent Thomas Schaefer weiß nicht recht, was er mit Lola Randls Roman anfangen soll. In einer Reformulierung von Karen Duves "Regenroman", so Schaefer, erzählt er von einem Wessi-Paar, das aufs Land im Osten zieht und dort auf unliebsame Dörfler und ein unheimliches Tier trifft, das sie heimsucht. Da Randl, geboren in München, selbst seit Längerem in der Uckermark wohnt, müsse sie ja wissen, wovon sie spricht, meint Schaefer, und ist deshalb umso irritierter von der Klischeehaftigkeit der Beschreibungen: die Nachbarin trägt "Plastikclogs" und ist Gelegenheitsprostituierte, ihr Mann Heimwerker und alle sind natürlich mürrisch und wortkarg, resümiert er. Auch die Hauptfiguren zeichnen sich durch ihren "lächerlichen Charakter" aus. Am Ende reicht es aber weder für Satire, noch für Gesellschaftskritik oder "Horrortrash", verzeichnet Schaefer - am gruseligsten sei dann eher noch die "verstörend unbeholfene Sprache", schließt er.
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