Wer über den Anteil der Freimaurer an den neueren Revolutionen urteilen will, darf nicht nur auf den deutschen Sprachraum schauen. In Frankreich, und von dort ausstrahlend in die romanischen Länder, hat sich eine Ideologie der Republik und des radikalen Laizismus gebildet, die bis heute ihren organisatorischen Kern und ihre Kader in der Großloge des Grand Orient findet. Hier fanden die Revolutionäre oftmals ihre Rekrutierungsräume, ihre Vorbereitungsateliers und manchmal ihre legale Deckung. Das Buch schildert die tatsächlichen, aus den Quellen dokumentierten Beziehungen zwischen den Revolutionären des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts und den Logen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.05.2010
Sehr viel lernen könne man in diesem Buch über die Freimaurer, bescheinigt SZ-Feuilletonchef Thomas Steinfeld dem Autor und Ex-Kollegen Steinfelds im Feuilleton der FAZ. Und zwar sowohl, in zwölf Skizzen und vier Exkursen, zur Geschichte, in der die Freimaurer seit dem 18. Jahrhundert, immer dann, wenn es brenzlig wird, allgegenwärtig scheinen, wie zu den Riten und vor allem zur Fixierung auf die Kirche in Form von Kirchenkritik. Im Zentrum der Freimaurerei sieht Steinfeld mit Jäger dabei einerseits die Hypostasierung einer Verwaltungsstruktur und andererseits das raffiniert konstruierte "Geheimnis", das tautologischerweise einzig in seiner Behauptung besteht. Kenntlich würden die Freimaurer in diesem Buch letztlich allerdings als nicht mehr und nicht weniger als eine "Kaderorganisation des bürgerlichen Staates".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2010
Rätselhafter als ein Kaninchenzüchterverein scheinen die Freimaurer dem Rezensenten Urs Hafner dann doch zu sein. Was es damit auf sich hat, erfährt er bei dem FAZ-Redakteur Lorenz Jäger. Am Ende einer von Einfällen, Exkursen, Kuriosa und personellen Bezügen reichen und vergnüglichen Lektüre, rauft sich Hafner allerdings die Haare. Die französische Großloge Grand Orient soll von den 1848er Bewegungen bis zur russischen Februarrevolution in so ziemlich jeder radikalen, republikanischen, demokratischen und sozialistischen Bewegung die Finger im Spiel gehabt haben? Na, na. Wenn Jäger auch noch vor der Bedrohung unserer freiheitlichen Demokratie durch eine gewisse moralische Blindheit der "rührigen Bünde" warnt (Stichworte: Abtreibung, Sterbehilfe, künstliche Befruchtung), steigt Hafner aus.
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