Der Verband der Unabhängigen (VdU), die Vorgängerpartei der FPÖ, hat kein Archiv hinterlassen. Seine Überlieferung muss aus vielen Mosaiksteinchen rekonstruiert werden, aus den privaten Nachlässen seiner führenden Vertreter, von den Gedächtnisprotokollen Karl Hartlebs, des Vizekanzlers der 1. Republik, bis zu den stenographischen Notizen des Salzburger Langzeit-Obmannes Gustav Zeillinger. Der VdU war ein lockerer Verband, organisatorisch und weltanschaulich. Sein Gründer, Herbert Alois Kraus, wollte keine klassische Lagerpartei, sondern eine breitgefächerte Reformbewegung ins Leben rufen - und stand mit diesem Konzept von Anfang an im Zentrum lebhafter Kontroversen. Die Korrespondenzen des FPÖ-Gründers Anton Reinthaller belegen, wie sehr auch die Wirtschaft am Schicksal des "Dritten Lagers" Anteil nahm - und sich 1955 schließlich gegen Kraus entschied.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2015
Der Verband der Unabhängigen war die Partei, in der sich in nach dem Krieg in Österreich all jene sammeln sollten, die in ÖVP, SPÖ oder KPÖ keine politische Heimat finden konnten, erklärt Rezensent Rolf Steininger, also Monarchisten, Nationalisten und eiserne Antikommunisten. Bald jedoch schon wurde der Verband zum Auffangbecken für Altnazis, später ging aus ihm die FPÖ hervor. Den Rezensenten hätte eine vernünftige Geschichte dieser Partei durchaus interessiert, mitunter entnimmt er Lothar Höbelts Band auch durchaus Instruktives. Doch insgesamt erscheint ihm dieser Wust aus Briefen und Protokollen zu unsortiert und planlos, als dass er ihn wirklich zur Lektüre empfehlen könnte.
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