Nach Kriegsende blieben zahlreiche überzeugte Nationalsozialisten ihrer Gesinnung treu und bewegten sich in einem gemeinsamen sozialen und politischen Erinnerungsmilieu. Viele dieser "Ehemaligen" organisierten sich bald wieder politisch und vertraten selbstbewusst ihre Agenda. In Österreich formierten sie sich vor allem im Verband der Unabhängigen (VdU) und in der 1956 gegründeten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Margit Reiter zeichnet in ihrem Buch erstmals diesen politischen Formierungsprozess der "Ehemaligen" nach. Die Autorin zeigt die personellen wie auch ideologischen Kontinuitäten zum Nationalsozialismus in der FPÖ auf und unterzieht die politische Karriere des Parteigründers und vormaligen NS-Funktionärs Anton Reinthaller einer kritischen Analyse.
Ralf Leonhard begrüßt Margit Reiters Studie über die braune Vergangenheit der FPÖ. Dass die Autorin umfangreich wie nie und überzeugend den Nachweis führen kann, wie die Partei nach dem Krieg unter dem unbelehrbaren EX-SS-Mann Anton Reinthaller zum Sammelbecken für ehemalige Nazis wurde, scheint Leonhard umso bemerkenswerter, als die Autorin keinen Zugriff hatte auf die Partei-Archive. Reiters Arbeit mit "verschiedensten" anderen Quellen belegt für den Rezensenten zweifelsfrei die andauernde völkische Gesinnung des FPÖ-Gründers sowie entsprechende ideologische Kontinuitäten bis Haider und darüber hinaus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.10.2019
Oliver Das Gupta findet, dass der Wiener Historikerin Margit Reiter auch ohne Zugang zu den FPÖ-Archiven eine beachtliche Arbeit gelungen ist. Die frühe Geschichte der FPÖ und die ideologischen wie personellen braunen Kontinuitäten in der Partei kann Reiter laut Rezensent überzeugend aufzeigen. Wie sich das "Sammelbecken für Altnazis" unter dem ersten FPÖ-Chef Anton Reinthaller füllte, belegt die Autorin anhand von Rheintallers Nachlass, erklärt Das Gupta. Dass Rassismus und Antisemitismus in der FPÖ weiterhin eben kein Einzelfall war und ist, wie die Partei glauben machen will, zeigt die Autorin laut Das Gupta ebenfalls fundiert.
Die Historikerin Margit Reiter kann mit ihrem Buch der Rezensentin Angela Gutzeit vor Augen führen, dass es sich bei der FPÖ nicht um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Im Gegensatz zu manch anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa ist die FPÖ seit ihrer gründung 1955 eine Konstante der österreichischen Politik. Mit ihrer "sorgfältigen Recherche" zeigt Reiter vor allem, dass sich von Beginn an Mitglieder und Anhänger der Freiheitlichen aus alten Nazis oder NS-Funktionären zusammensetzte, informiert Gutzeit. Sie liest hier auch nach, wie hemmungslos sich die FPÖ - wie auch der Verband der Ehemaligen - zu einem Sammelbecken von Rechtsextremen machte, wie ungebrochen ihr Antisemitismus blieb und wie oberflächlich ihre Modernisierung unter Jörg Haider ausfiel.
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