Die Rechtsgeschichte durchläuft eine schwierige Zeit. In der Wissenschaft vom geltenden Recht schwindet zunehmend die Erkenntnis, dass Recht etwas historisch Entstandenes ist. Rechtshistorische Lehrstühle sind zunehmend von Streichungen bedroht. Dieser Band will einen Einblick in die aktuelle Forschung zur Rechtsgeschichte geben und zugleich einen Beitrag zu ihrem Selbstverständnis leisten. Unter dem Konzept einer "integralen Rechtsgeschichte" sind sowohl Historiker als auch Juristen und Rechtshistoriker beteiligt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2005
Rezensent Gerd Roellecke bescheinigt den acht Einzelstudien des Bandes, dass sie "solide" gearbeitet seien und die komplexen Sachprobleme "verständlich vereinfacht" hätten. Nicht einverstanden zeigt sich Roellecke mit den vier geschichtstheoretischen Arbeiten. Michael Wagner-Kern betreibt aus Sicht des Rezensenten den "hermeneutischen Overkill", wenn er die Haltung vertrete, "NS-Gesetze und andere Rechtsquellen des NS-Staates seien unter Berücksichtigung der NS-Ideologie und -Praxis auszulegen". Ein weiteres Problem des Bandes sieht Roellecke in theoretischen Vorgaben der Grundsatzaufsätze zur Geschichtstheorie, wenn diese in den Einzelstudien nicht berücksichtigt würden. Dort werde häufig der "verfassungshistorische und gesellschaftskulturelle Hintergrund" ausgeblendet, der zuvor, theoretisch, eingefordert wurde. Dies, so der Rezensent, sei nicht den Einzelstudien vorzuwerfen, vielmehr denjenigen, die den "theoretischen Anspruch" des Bandes formuliert haben.
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