Die Popularität der Musik Bachs ist ungebrochen. Aber die Texte? Was soll der heutige Hörer denken, wenn vom "süßen Hephata" die Rede ist, das das "verstockte Herz" erweicht, von den "Sodomsäpfeln", die im "Lustrevier" zu brechen sind, oder von der Feststellung, dass Christi "blutgefärbter Rücken in allen Stücken dem Himmel gleiche geht"? Auch wenn sich der heutige Sprachgebrauch von der blumigen barocken Diktion entfernt hat, ist das Verständnis von Wort und Ton entscheidend für eine angemessene Interpretation. In über 300 Stichworten erschließt Lucia Haselböck heute unbekannte Begriffe, metaphorische Formulierungen und theologische Zusammenhänge. Da diese zum Allgemeingut der Zeit Bachs gehörten, ist das Textlexikon ebenso für andere geistliche Texte des ausgehenden 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gültig. Eine Einleitung skizziert die Traditionslinien zwischen mittelalterlicher Mystik und barocker Frömmigkeit. Zeitgenössische emblematische Kupferstiche machen das bildhafte Denken anschaulich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2005
Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Michael Gassmann von Lucia Haselböcks "Bach-Textlexikon", auch wenn aus manche Einträgen Nutzen ziehen könne. Wie er berichtet, versteht die Autorin die Texte der Kantaten, Oratorien und Passionen als einen literarischen Korpus mit gemeinsamem Vokabular, das sie in lexikalischer Form erläutere. Bedauerlich findet Gassmann, dass sie Martin Petzoldts theologisch-musikwissenschaftlichen Bach-Kommentar nicht mehr zu Rate ziehen konnte, dann wären dem Leser vermutlich zahlreiche "saloppe Urteile" in theologischen Fragen erspart geblieben. Gassmann rügt zudem die "Nonchalance", mit der Haselböck die Frage nach den Autoren der Kantatentexte wegen eines angeblich alles beherrschenden Zeitstils als nebensächlich abtue. Auch hält er ihre Autorin "sprachliche Unbeholfenheit" vor, wenn sie versuche, dem Leser die "oftmals unverständlichen" Texte zu erläutern.
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