Ludger Honnefelder

Woher kommen wir?

Ursprünge der Moderne im Denken des Mittelalters
Cover: Woher kommen wir?
Berlin University Press, Berlin 2008
ISBN 9783940432285
Gebunden, 383 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Die landläufige Meinung hält das Mittelalter für ein Museum vergangener Lebensformen; der tradierten Perspektive der Geistesgeschichte erscheint sie als eine Zwischenzeit, gegen deren Widerstand die Neuzeit Humanismus und Aufklärung allererst durchsetzen musste. Die Forschung der letzten Jahrzehnte zeigt jedoch ein ganz anderes Bild. Wenn wir wissen wollen, wer wir sind, müssen wir wissen, woher wir kommen. Der genaue Blick der Forschung, den der vorliegende Band vermitteln will, zeigt, dass gerade auf dem Höhepunkt des Mittelalters der"Ursprung der Moderne"liegt. Es ist das 12./13. Jahrhundert, in dem sich eine umfassende Wende zur Rationalität Bahn bricht und die entscheidenden Entwicklungen beginnen, die die Neuzeit heraufführen: die Entscheidung für eine alle Weltdeutungen erfassende wissenschaftliche Weltsicht, die Entwicklung einer in der Idee des Individuums zentrierten neuen Form des bewussten Lebens und die Entdeckung der Natur als einer Dimension eigenen Sinns.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2009

Gegen das Anliegen des Autors hat Hans-Herbert Räkel nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Das Denken des Mittelalters zwischen Religion und griechischer Philosophie zu verorten und daraus unsere Überzeugungen herzuleiten, findet der Rezensent völlig legitim. Insofern gefällt ihm auch Ludger Honnefelders "missionarische Ader". Allerdings findet Räkel den Anspruch in diesem Buch nicht eingelöst. Abgesehen davon, dass ihm die versammelten Aufsätze bereits bekannt sind, erscheint ihm die Kompilation allzu heterogen und professoral. Für Räkel um so bedauerlicher, da er dem Autor in der Sache keinen Fehler vorwerfen kann, bloß im Stil. Dem interessierten Leser empfiehlt er aus diesem Grund Honnefelders Habilschrift oder dessen französische Vorlesungen am Chaire Etienne Gilson, die "am besten lesbare Darstellung seiner Position".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2008

Ernst-Wolfgang Böckenförde liest diesen Band als auf frühere Erkenntnisse des Autors zu Thomas von Aquin und die frühmittelalterliche Aristoteles-Rezeption sowie zu Duns Scotus und Wilhelm von Ockham aufbauende Gesamtbetrachtung. Böckenförde lenkt unseren Blick auf die "Tiefenbohrungen", die Ludger Honnefelder hierzu anstellt, in die frühchristliche Zeit bis hin zu Augustinus etwa, schließlich in Richtung der Begründung praktischer Ethik. Was Honnefelder diesbezüglich "in profunder Gelehrsamkeit" aufschreibt, erscheint dem Rezensenten dazu geeignet, alte Sichtweisen und Auslegungen zu korrigieren. Für den Rezensenten eine spannende, wenngleich nicht immer leicht verstehbare Angelegenheit.

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