Terry Eagleton setzt sich mit Religion und Kultur seit der Aufklärung auseinander. Was als Siegeszug des Atheismus erscheint, ist die Ursache für die Krise der westlichen Kultur: Am 11. September 2001 stürzten auch die Hoffnungen der Atheisten in sich zusammen. Das Bedürfnis zu glauben wächst seitdem umso stärker, je deutlicher der spirituelle Bankrott der kapitalistischen Ordnung sichtbar wird. Daraus entwickelt Eagleton seine Überzeugung als Linkskatholik: Er fordert keine religiöse Wohlfühlmoral, sondern eine radikale Änderung unserer Lebensweise. Am Anfang müsste die Solidarität mit den Armen und Machtlosen stehen - als Voraussetzung für ein längst überfälliges neues Verhältnis von Glaube, Kultur und Politik.
Thomas Assheuer weiß nicht genau, wie er diese Schrift des alten Marxisten Terry Eagleton eindordnen soll, denn die Behauptung, mit dem Fundamentalismus kehre die verdrängte Religion zurück, kennt er bisher nur aus konservativen Denkschulen. Aber doch, ja, Eagleton beklagt die "symbolische Lücke", die Aufklärung, Moderne und Postmoderne hinterlassen haben. Diese Lücke sei mal mit dem Glauben an die göttliche Nation, mit einem Sonntagschristentum oder mit staatstragenden Nützlichkeitsreligionen gefüllt worden, referiert Assheuer, doch erst das "Anything Goes" der Postmoderne habe sich als authentischer Atheismus ausgebildet und mit dem fortgeschrittenen Kapitalismus verschmolzen. Assheuer liest Eagletons Parforceritt durch die Geschichte von Aufklärung und Idealismus durchaus fasziniert und mit intellektuellem Gewinn, aber letzten Endes doch recht ungläubig, vielleicht auch ein wenig verstimmt: Für linksliberale Religionsverächter interessiere sich Eagleton, der anscheinend gläubige Marxist, nämlich überhaupt nicht.
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