Dona Rosas Familie ist nur ein Beispiel: Ihr Sohn Antonio bewirtet in New York Mexicaner, die am Hudson Fußball spielen, ihre Tochter Aurora betreibt in Puebla ein Hotel - für Arbeitsmigranten auf Heimaturlaub. Mit über 80 Jahren pendelt Dona Rosa zwischen den Welten, um ihren Kindern unter die Arme zu greifen. Heute erstrecken sich familiäre Netzwerke oft über nationale Grenzen hinweg, wir müssen das Verhältnis von sozialen und geographischen Räumen überdenken. Dazu leistet Ludger Pries' materialreiche Studie einen wichtigen Beitrag. Sie bietet einen Überblick über ein Forschungsparadigma, das in der akademischen und der politischen Debatte rasant an Bedeutung gewinnt: Transnationalisierung. Anders als in der Diskussion um die Globalisierung geht es dabei weniger um abstrakte Phänomene wie Kapitalströme und Umweltrisiken als um die unzähligen Entscheidungen individueller Akteure, die uns zwingen, unsere mentalen Landkarten zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu zu zeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.07.2008
Für Heiner Dürr liegt die Bedeutung dieses "Referenzwerks" von Ludger Pries gerade in seiner Offenheit. Dass Pries bei dem Versuch einer Differenzierug von Internationalisierungsprozessen mittels umfassender raumtheoretischer Überlegungen Fragen aufwirft, theoretische Ungenauigkeiten und Herausforderungen bezeichnet, statt Lösungen anbietet, macht für Dürr Sinn. Dürr sieht die Forschung, aber auch alltägliche Diskurse über die globale Entwicklung hierdurch bereichert. Wenn dem Autor beim Aufzeigen von Internationalisierungsprozessen mitunter sein eigenes Konzept der Transnationalisierung verschwimmt, das er dem ungenauen Begriff Globalisierung entgegenzusetzen versucht, bestätigt das dem Rezensenten nicht zuletzt die Dringlichkeit einer Studie wie der vorliegenden.
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