Wolfgang Fritz Haugs 1971 erschienene Studie über die politökonomische Funktion der Werbung gilt weltweit längst als Standardwerk. Dabei erscheinen uns Haugs Beispiele, die noch den Geist des fordistischen Massenkonsums atmen, heute angesichts globalisierter Marken und Werbekampagnen geradezu als harmlos. Die Informationstechnologie hat den Produzenten des kommerziellen Imaginären neue, effizientere Zirkulationsmedien zur Verfügung gestellt. Daher hat der Autor seinen Klassiker nun um aktuelle Analysen zur Warenästhetik im transnationalen High-Tech-Kapitalismus ergänzt. Er zeigt, daß die Gedanken aus der Zeit nach 1968 nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Durchaus kritisch betrachtet der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich die "Kritik der Warenästhetik", Wolfgang Fritz Haugs Klassiker von 1971, der jetzt, erweitert um eine aktuelle Kritik der "Warenästhetik im High-Tech-Kapitalismus", in einer Neuauflage vorliegt. Zwar plädiert auch Ullrich nicht für eine generell unkritische Sicht von Konsumgütern. Aber mit Haugs pauschaler Verurteilung der Ware als per se problematisch ist er nicht einverstanden. Von einer aktuellen Kritik der Warenästhetik hätte sich Ullrich einen Verzicht auf "alte Slogans" gewünscht. Die Ansicht Haugs, Konsumenten seien der Willkür der Produzenten passiv ausgeliefert, teilt er eben nicht. Er verweist auf den "bewussten Konsumenten", der mit Waren ähnlich wie mit Massenmedien umgeht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2009
Helmut Mayer stellt Wolfgang Fritz Haugs "Kritik der Warenästhetik? als "Kultbuch der Achtundsechziger? vor. Mit Interesse hat er sich die nun vorliegende erweiterte Neuauflage dieses Buchs vorgenommen, das der Autor bis zur Gegenwart fortgeschrieben hat. Der erste Teil des kritischen Werks, das nicht bloß oberflächliche Konsumkritik sein will, sondern die fundamentalen Widersprüche des Kapitalismus am Beispiel der Warenästhetik aufzuzeigen versucht, hat ihn fast ein wenig gerührt, erinnert es ihn doch daran, wie neu damals noch Züge der Konsumkultur anmuteten. Demgegenüber hat der zweite Teil Strategien und Verwertungsinteressen im High-Tech-Kapitalismus im Blick. Mayer scheinen Haugs Ausführungen in beiden Teilen nicht ganz verkehrt. So will er die manipulative Macht der Werbung im Kapitalismus auch gar nicht in Abrede stellen. Dennoch wertet er die eine oder andere hochgegriffene Aussage Haugs über unsere zu gestaltende gesellschaftliche Daseinsform als "Rückfall in eine eher undialektische Geste?.
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