Der italienische Romanklassiker (Erstausgabe 1901) erzählt die Geschichte einer sizilianischen Schuld und Sühne um die Jahrhundertwende. Zehn Jahre lang hat der Marchese von Roccaverdina mit einer jungen Bäuerin zusammengelebt, dann beugt er sich dem Druck der Familie und verheiratet die Geliebte an seinen Verwalter Rocco - unter dem Schwur, daß sie nur eine Scheinehe führen werden. Aber die Eifersucht treibt ihn in einer mondhellen Nacht, Rocco zu ermorden. Worauf sein Gewissen ihn nicht mehr zur Ruhe kommen läßt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2000
In seiner Kritik zeigt Georg Sütterlin bravourös, wie man in wenigen Zeilen viel sagen kann. Er beschreibt Capuanas von Zola inspirierten naturalistischen Stil, der sich mit psychologischem Realismus verbindet. Eine Form, die in Italien zum Verismus wurde. "Der Marchese von Roccaverdina" könne durchaus als Kriminalroman gelesen werden, wird er dann konkret. Gleichzeitig entwerfe der Autor ein "breit gefächertes Panorama der ländlichen Gesellschaft Siziliens", schildere den Verfall seiner Hauptfigur und zeichne nebenbei noch "eindrücklich differenzierte" Nebenfiguren. Sütterlin gibt diesem realistischen Romanstil des 19. Jahrhunderts deutlich den Vorzug vor der Literatur des 20. Jahrhunderts: Anders als die heutigen Autoren, die nur "um ihren Nabel kreisen", sage ein Romancier wie Capuana "dem Leser wenig über sich, aber viel über die Welt".
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