Vor 60 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden über 6500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs am Fusse der Pyrenäen deportiert. In diesem überfüllten Lager wurden die Vertriebenen fast zwei Jahre lang gefangen gehalten: Viele starben, einige wenige konnten das Lager verlassen, ein grosser Teil wurde im Herbst 1942 nach Auschwitz deportiert und umgebracht. Unter ihnen befanden sich die Geschwister Marie und Josef Grunkin, 27 und 31 Jahre alt, zusammen mit ihrer Mutter Fanny Grunkin. Aus dem Elend des Lagers schrieben die Geschwister viele Briefe an ihre Schwester Rosa. Die erhalten gebliebenen 32 Briefe und Karten stehen im Zentrum des Buches. Sie geben Einblick in die schrecklichen Zustände im Lager Gurs. Sie zeugen aber auch vom Mut und Durchhaltewillen der beiden Geschwister, die versuchten, im Elend des Lageralltags so etwas wie Normalität zu leben. Das Buch enthält neben den Briefen aus Gurs eine kurze Lebensgeschichte der Geschwister Grunkin vor ihrer Deportation und eine Darstellung der Deportation der Lörracher Juden anhand von Zeitzeugenberichten und Fotos.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2001
Dieses Buch enthält Briefe, die während der Jahre 1940 bis 1942 von einem Geschwisterpaar in einem französischen Internierungslager geschrieben wurden. Die jüdischen Geschwister Grunkin wurden 1940 nach Frankreich deportiert und hielten brieflichen Kontakt mit ihrer Schwester Rosa, die diese Briefe über einen Zeitraum von 50 Jahren aufbewahrte. Obwohl die großen Texte über die Lager bereits von Schriftsteller geschrieben worden seien, schildern diese Briefe doch gerade in ihrer Schlichtheit die "unsäglichen Lebensbedingungen" in "einfacher und eindringlicher Sprache", wie der Rezensent Jürg Altweg befindet. Das Lager Gurs, aus dem die Briefe an die in der Schweiz lebende Schwester geschickt wurden, war die letzte Station der Geschwister vor Auschwitz. Von dort kamen keine Postkarten mehr.
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