Die Tätigkeit von Schweizer Firmen im Zweiten Weltkrieg und insbesondere deren wirtschaftliche Verflechtungen mit dem "Dritten Reich" sind in den letzten Jahren in den Vordergrund des Interesses gerückt. In einer breit angelegten Untersuchung werden am Beispiel des Schaffhauser Industriekonzerns Georg Fischer, einer der damals führenden schweizerischen Giessereien, die kriegsbedingte Situation und das Verhalten einer Firma aufgezeigt, die wesentlich im Exportgeschäft tätig war. Georg Fischer besass ausser den Werken in Schaffhausen drei ausländische Filialbetriebe: zwei in Deutschland (Singen am Hohentwiel und Mettmann bei Düsseldorf) sowie einen in England (Bedford). Das Unternehmen war somit im Einflussbereich beider Kriegsparteien vertreten. Dieser Umstand bietet einerseits die Möglichkeit zu aussagekräftigen Vergleichen, andererseits wirft er eine ganze Reihe von Fragen auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2001
Nein, ein Lesevergnügen bietet der Band nach Ansicht des Rezensenten Konrad Mrusek nicht. Dafür aber biete er die Schweizer Tugenden der Präzision und einer gewissen moralischen Neutralität: Hier gehe es jedenfalls nicht darum, den Stab über die Altvorderen zu brechen. Das wäre auch ungerecht, denn schließlich hat die Georg Fischer AG Wipfs Studie selbst in Auftrag gegeben und bewies damit einen größeren Mut als der große Rest der Schweizer Wirtschaft, bemerkt Mrusek. Die AG hatte ein Werk in Deutschland, und laut Mrusek lernt man hier, dass sich die Schweizer in der Kollaboration in nichts von den Deutschen unterschieden. Man unterschrieb seine Briefe mit dem Hitlergruß, installierte eine Radioanlage zur Übertragung von Führerreden und tat dies natürlich auch "aus geschäftlichem Kalkül": Man wollte Rüstungsgüter verkaufen. Wirklich gelohnt hat es sich nach Wipfs Rechnung am Ende nicht - die Firma hatte nach dem Krieg an Wert verloren. Besonders interessant findet Wipf, dass auch die Schweizer Gewerkschaften nichts gegen die Kollaboration auszusetzen hatte. Man wollte Arbeitsplätze erhalten, schreibt Mrusek, und kam vielleicht auch darum nie auf die Idee, die Arbeitsbedingungen der sowjetischen Zwangsarbeiter im deutschen Werk anzuprangern.
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